Band 
Zehnter Band.
JPEG-Download
 

129

thun« erhalten sollte, kam heimlich in die Stadt, und ihm sandtebald der König von Schweden seinen Obersten Dietrich vonFalkenberg nach, dem einige Truppen heimlich folgten. Soweit waren die Dinge gediehen, als Tilly den Grafen Pap-penheim sich vor Magdeburg lagern ließ, zugleich aber fort-während bemüht war, die Magdeburger auf friedlichem Wegezur Unterwerfung zu bewegen, ohne daß jedoch die demagogisch-schwedische Partei und die Prädikantcn dies zuließen. Und alSendlich Tilly selbst die Belagerung ernstlicher betrieb, wußtenamentlich Falkenberg die Stadt von jedem Vergleich zurück-zuhalten. Zuversicht auf die Unüberwindlichkeit Magdeburgs be.schwichtigte bei den Bürgern, auf die nahe schwedische Hülfe betden Befehlshabern jede Bcdenklichkeit, und die Geistlichen pre-digten unausgesetzt gegen die Ergebung an den Kaiser alS einWerk der ärgsten Gottlosigkeit. Gustav Adolf schrieb an dieBürger von Frankfurt a. O. auS: er stehe im Begriff, sie zuentsetzen; er werde sie nicht verlassen, „so wahr er ein Königder Ehren wäre". So machten alle Ermahnungen Tilly'Skeinen Eindruck, vielmehr wagte man es, seinen Boten, der denletzten Antrag brachte, zurückzuhalten. Der Feldherr seinerseitskonnte, da er täglich die Schweden erwarten mußte, die gefor-derte Waffenruhe nicht bewilligen. Dagegen schrieb er an denKurfürsten von Sachsen: die Magdeburger vernachlässigten ihrePflicht besonders deshalb, weil sie sich auf die Leipziger Beschlüssebezögen und ihre Hoffnungen auf fremde Hülfe setzten; der Kur-fürst möge selbst erwägen, was man von fremden Fürsten undVölkern zu erwarten habe, die nur ihren besondern Vortheilsuchten, um Häupter und Unterthanen unter das Joch zu bringenund das ganze Reich endlich in Stücke zu reißen. Der Kurfürstsolle also die Hand bieten, daß die Magdeburger ihrer Pflichtgenügten.

Magdeburgs Erstürmung 1631, 20. Mai.

Die jämmerlichen Zustände in der Stadt beförderten indessenihren Fall. Am 19. Mai (1631) entschloß sich endlich der Rathzu Unterhandlungen, gleichzeitig aber hatte Tilly seinen Kriegs,rath versammelt, um die entscheidenden Maßregeln zu beschließen.Graf Pappenheim und die meisten Obristen stimmen für einenallgemeinen Sturm. Tilly war nicht geneigt dazu. Wahr.schcinltch ist, daß er, von dem Treiben der Parteien in Mägde-

C a >i i u , Weltgeschichte. X. 0