Band 
Zehnter Band.
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eine Menge von lebenden und todten Sprachen zu lernen wußte,wird er zuerst Benediktiner, dann Franziskaner; jedoch ausseinem Mönchöleben schöpft er nur Haß und Verachtung deS,MönchthumS. Voll Wunderlichkeiten und Kenntnissen, erwirbter sich die Gunst Franz I und Heinrichs II und geht mitdem Kardinal Bellay nach Rom, wo Papst und Kardinäle überihn lachen müssen, während er heimlich Stoff sammelt, über sieselbst zu lachen. *) Einmal postirr er sich an die Stelle einerStatue deS heiligen Franziskuö, und am ausbrechendcn Ge-lächter erkannt, wäre er zu lebenslänglichem Kerker verurtheiltworden, wenn ihnClemenS VII nicht begnadigt hätte. Daraufflüchtet er sich nach Montpellier in daö Studium der Medizin,übersetzt den HippokrateS, und hinterläßt so guten Ruf an dor.tiger Universität, daß ihre Laureaten jedesmal in RabelaisToga promoviren. Endlich erlangt er als Sinecur die Pfarrer,stelle von Meudon bet PariS, lebt daselbst in Frieden, und stirbtmit den Worten: »Nun gehe ich an die Ergründung eines großenVielleicht!" — DaS am meisten Aufsehen machende Buch jenerganzen Literatur-Epoche ist ohne Frage seine »Chronik vomNiesen Gargantua und seinem Sohn Pantagruel", womit er dieRitterromane am Hofe Franz I verspottete. Der unverhoffteErfolg dieses komischen Werkes veranlaßte ihn zu einer zweiten,vielfach vermehrten Ausgabe. Unter solchem Beifall warf ersich nun vollends auf den ausgelassen burlesken Roman, undsah sein Buch so gesucht, »daß er davon in zwei Monate» mehrabsetzte, alS man Bibeln in neun Jahren verkauft hatte". —Sein Werk ist die Karikatur aller Staatsordnung; ganz Witz,ganz zügellose Fantasie, ganz cynische Frechheit, die, Allesübertreibend, weder Calvin noch den Papst respektirr, wederChristus noch Luther. So mischt er die französische Munterkeitmit dem Geckenhaften seiner Zeit, die seltsamen Allegorien deSMittclalters mit der neu erwachten Gelehrsamkeit, und überdenselben Leisten schlägt er den Papst und den Sakristan seinerPfarre, den Scheiterhaufen deS von Calvin in Genf verbranntenMichel Server und die »göttliche Bouteille" (In «live houteilleO,Soldaten und Aerzte, Poeten und Mönche, Bischöfe, Kardinäleund Könige, denn Alles hält er für ein Privilegium der Satyre,

Delecluze und Snint-Beuve haben den Charakter des Rabelaisvon der ernsten Seite betrachten wollen.