Band 
Zehnter Band.
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ihn manchmal bis 'auf die höchsten Spitzen der dramatischenDichtung seines Volkes emporsteigen läßt, während er ein anderMal die Volksgunst durch phantastische Einfälle zu erlangen sucht,die seines großen Geistes unwürdig sind. — Sein Drama istdurch Haltung und Zweck dichterischer- und trägt minder, alsbei seinem großen Vorgänger- den Anschein der Wahrheit undWirklichkeit an sich. ES scheint fast- als wenn wir in dessenbesten Stellen, gegen deren Sittlichkeit steh nur selten etwaseinwenden läßt, in eine andere , reichere Welt versetzt würden,welche von unerhörtem und übernatürlichem Glänze erleuchtetwird, und in der die Beweggründe und Leidenschaften der Han-delnden so hoch gespannt sind, daß unsere eigenen Empfindungenbeträchtlich aufgeregt und bewegt sein müssen, ehe wir ernstenAntheil an dem nehmen können, was wir erblicken, oder ehe wirmit dessen Folge übereinstimmende Gefühle hegen. Aber auchdieses ist Caldcron gelungen. Die Lebensfülle und Geisteskraft,welche er in die heitern Auftritte seiner Schauspiele gelegt hat,sowie die rührende Zartheit ihrer ernsten und tragischen Theileerheben uns unbewußt zu jener Höhe, auf welcher allein seineschimmernden Darstellungen unsere Einbildungskraft mit sich fort.reißen, wo wir allein rhcilnehmend und getäuscht werden können,indem wir uns inmitten nicht nur einer solchen Vermischungverschiedener Gestaltungen des DramaS befinden, sondern aucheiner Verwischung der angenommenen Grenzlinie dramatischerund lyrischer Dichtung. Wir verdanken dieser höhern Haltungbei unaufhörlicher Anstrengung zur Fortdauer derselben einengroßen Theil dessen, waS Calderon von seinen Vorgängernunterscheidet, ja fast Alles, waS ihm in seinen Vorzügen undMangeln eigenthümlich ist und ihn auszeichnet. Er wird dadurchminder leicht, anmuthig und natürlich als Lopc; seine Schreib-art erlangt eine Manier, die trotz des wunderbaren Reichthumsund Flusses seiner Verse manchmal ermüdet, ja sogar verletzt.Er kommt dahin, sich selbst so oft zu wiederholen, bis viele derbei ihm Auftretenden zu stehenden Charakteren werden, und bisseine Helden mit ihren Dienern, seine Damen mit ihren Ver.trauten, sein Greis und seine Scherzhaften, wie die verlarvtcnGestalten der Bühne der Alten dastehen, um mit den nämlichenKennzeichen, um in der nämlichen Tracht die verschiedenen Ver-wickelungen seiner mannigfaltigen Stoffe darzustellen. Endlichwird er dadurch verleitet, das ganze spanische Drama alS einen