Band 
Zehnter Band.
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düng aller zu einem bestimmten Ziele, so daß man nicht eineeinzige ohne Gefährdung der harmonischen Schönheit und innernOrdnung wegnehmen kann. Er seilte an seinen Schöpfungenmit großer Bedächtigkeit; dreimal arbeitete er den „Hamlet" um,brachte den „Othello" in andere Form und vermehrte den „KönigLear" nach der ersten Aufführung um ein Drittel.

Die Oekonomie der griechischen Dramen war keineswegsdie einzige Folge der angewandten Aristotelischen Regeln. Ari-stoteles selbst war weit entfernt, die Gestalt und den Umfangdes Dramaö seiner Tage als ein Gesetz für alle Zeiten aufzu.stellen. Er erklärte ausdrücklich, daß die Größe des Dramassich nach Gewöhnung und Geschmack richte. Er war sogar, scheintes, nicht der Anficht, daß die Kürze der alten Tragödie geradeihr Vorzug sei. Er schrieb daher den Dramen nicht die damalsübliche Größe vor, sondern die natürliche, die durch dieHandlung selber gegeben ist. „In welchem Umfang, sagt er,in einer Reihe von Begebenheiten die Umwandlung von Glückzu Unglück, oder von Unglück zu Glück nach Wahrscheinlichkeitoder Nothwendigkeit geschehen kann, dies gibt die gehörige Be-grenzung der Größe eines Dramas ab." Wenn schon in diesemSatze die ganze Praxis des neueren Schauspiels ihre Rechtser,tigung erhält, so noch mehr indem folgenden: „Was die Grenzenach der eigenen Natur der Handlung angeht, so ist immer diegrößere, so lange ste übersehbar ist, die schönere in Hinsichtder Größe." Shakspeare's Kunstübung ist ganz so, als ober sich diese Regel selber geschrieben hätte... Mit dieser Regelvor Augen ging aber auch Shakspeare immer hart an dieseGrenze heran. Er wählte den Stoff möglichst reich und voll,er dehnte den Umfang der Form nach Bedarf, aber nicht weiter;man wird nicht finden, daß in Einem seiner Dramen der Ge.danke erschöpft sei vor dem Ende, daß in der Form eine über.siüssige Ausdehnung oder in dem Stoffe eine überflüssige Füllesei... Darin liegt ein Haupttheil seiner ästhetischen Größe...Denn es gibt keinen höheren Werth eines DichtungswerkcS, alsdie Uebereinstimmung der Form mit dem Wesen des dargestelltenGegenstandes, nach dessen eigenem, innewohnenden Gesetze, nichtnach einer äußeren Regel. Wenn man Shakspeare oderHomer nach Voraussetzung einer solchen konventionellen Ueber,einkunft bemißt, so kann man ihnen gleichmäßig Geschmack undGesetz absprechen; nach jenem höheren Maße gemessen spottet