Band 
Zehnter Band.
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aber Shakspeare an innerer Gesetzmäßigkeit aller der regel.mäßigen Dramatiker/ die von Aristoteles nicht geistige Gesetz«lichkeit lernten, sondern mechanische Nachahmer«.. . Wie dieHandlungen bei Shakspeare aus den Verhältnissen bemessensein sollen, so auch ihr Ende nach dem Verhältniß zu den Be.strebungen der Handelnden und nach dem inneren Bewußtseinder Fallende». Hier liegt das offene Geheimniß von Shak.speare'S poetischer Gerechtigkeit. Der Tod freilich trifft im„Lear" die Vielen ohne Unterschied, aber Cordctia stirbt in derGlorie einer verklärten Retterin, Lear in Versöhnung, Glosterlächelnd, Kent mit Freudigkeit, die Anderen liegen in ihreneigenen Schlingen gefangen, ihrer Zwecke beraubt, die wett.liehen Seelen der Welt verlustig gegangen, die ihnen Alles war.Wie anders fällt Macbeth durch die Hand eines Helden, den erimmer gefürchtet, und Richard unter den Nachstellungen einesSchleichers, den er immer verachtet hattet Nicht also auf denBuchstaben des Ausgangs kommt cS an, sondern auf die Art,wie der Ausgang bestanden wird, ob die Menschen in den Todgehen, verflucht oder gesegnet, scheiternd an schlechten Zweckenoder gute erreichend, mir edlem Bewußtsein oder mit geschlagenemGewissen, in himmlischer Verklärung oder in höllischer Vcr.zweiflung.

Dann liegen die tragischen AuSgänge nicht auf Einer Linie,sondern stufen sich von Richard bis zu Cordelia in der reichstenMannigfaltigkeit ab. Und die erhabene sittliche Lehre, die inder Handhabung dieser Gerechtigkeit liegt, ist die, daß der Todan sich kein Uebel, das Leben an sich kein Segen, das äußereGedeihen kein Glück ist, sondern nur das innere Bewußtsein;daß der größte Lohn der Tugend die Tugend selbst und diegrößte Strafe des Lasters das Laster ist. Daher wird den wahr.haft Edlen, den PosthumuS und Jmagen, zuletzt kein äußeresGlück zum Lohn, cS wird ihnen vielmehr entzogen, und Hei»,rich V gibt seine Ehren selbst weg an Gott; all ihr Lohn istihre innere Stimme und daS Selbstgefühl der behaupteten Men.fchenwürde.... Shakspeare'ö sittliche Ansicht geht von demeinfachen Gesichtspunkte aus, daß der Mensch mit Kräften derThätigkeit geboren wird, die er brauchen soll, und mit Kräftender Selbstbestimmung und Selbstlenkung, die diesen Gebrauchder handelnden Kräfte richtig steuern sollen. Woher in diesLeben und w o h i n aus ihm hinaus, diese Fragen gibt der