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er 1622 eine zweite Streitschrift wider diesen Autor. — Daserste Werk des Jahres 1622: „von der Geburt und Bezeichnungaller Wesen" entwickelt die Lehren über die Natur und ihremannigfachen Gestalten. ES ist ein merkwürdiger Beleg für dieBehauptung, daß diejenigen sich sehr irren, welche glauben,der höhere Denkergeist sei in seinen Bewegungen von den Zu.ständen der sogenannten Erfahrungswissenschast völlig unabhängig,daß aber diejenigen das Wahre ebenso wenig treffen, welchemeinen, er schreite nie mit glücklichem Erfolg über sie hinaus.Er legt auch Böhme's tiefen Sinn für LaS Leben der Naturdar; er schaute ihre Wunder theils mit Furcht, theils mit Liebean; die klare Besonnenheit jedoch, die um seine Thätigkeit stetsdie gebührenden Schranken ^og, hielt ihn von jenen ausschwei.senden Versuchen zurück, an welche damals so viele NaturfreundeZeit, Geist und auch Gold vergeudeten.
Von der Natur wandte sich Böhme zum Menschengciste»rück. Eine Folge davon war eine Reihe kleinerer Schriften,welche die Anfänge, die Fortschritte und die Gipfelpunkte desreligiösen Lebens besprechen. Sie handeln: „von wahrer Buße",„von wahrer Gelassenheit", „von, übersinnlichen Leben", „vonder neuen Wiedergeburt", „von göttlicher Beschaulichkeit". Be.sonders schnell verbreiteten sich diese Schriften, von denen derVerfasser versichert, daß sie einen Theil der Geschichte seinesinnern Lebens enthalten. Allein dadurch wurde der Haß undNeid seines alten Feindes in Görlitz, der nie völlig geruht hatte,noch größer. Er griff ihn mit erneuerter Wuth an, überhäufteihn von der Kanzel herab wie in einer Flugschrift mit rohenLästerungen und Schmähungen. Die Anfälle dieses Geistlichen,der nach Böhmc' S Ausdruck unter dem Purpurmantel Christides Satans Hammer trug, hatte er lange still erduldet; nunglaubte er, so sehr er auch Kämpfe dieser Art scheute, die seinenSeelenfrieden trübten, es sei Zeit, sein Schweigen zu brechen,und schrieb seine „Schuhrede wider GregoriS Richter" mit außer,ordentlicher Kraft und Beredsamkeit.
In den Anfang des Jahres 1623 fällt das Buch „von derGnadcnivahl". Es wurde durch den Gegensatz veranlaßt, inwelchem Luther und Calvin wegen dieser Frage sich befinden.Böhme selbst erklärt diese Schrift für eine seiner besten undgründlichsten. Daran reihen sich die Aufsätze „von Christi Testa.menten". Auch sie wurden durch die theologischen Zwistigkeiten,