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keil, nach Wahrheit zu streben. Er strebte nach Sittlichkeit,weil er überzeugt war/ daß ohne Sittlichkeit, ohne Herzens,reinheit die Wahrheit nicht gefunden werde. In dem Einen saher ein sicheres Beförderungsmittel für das Andere. Das Eine unddas Andere aber bezog er auf den Mittelpunkt, um den alle seineAnstrengungen, alle seine Mühen, alle Kräfte seines Geistes,Tiefsinn, Scharfsinn, Phantasie, mit bewunderungswürdigerFolgerichtigkeit kreisten, auf daS Göttliche. Sein reines Augewar immer zum Himmel gerichtet, sein Hauptziel Gottesdienstund Gotteöverherrlichung — sein ganzes Forscherleben ein Stre.ben, im Reiche des Denkens und Seins, der Freiheit und derNothwendigkeit, deS Geistes und der Natur, des Guten unddeS Bösen, daö Wandeln Gorteö zu erkennen.*)
Bernardino Ochino von Siena leugnete, daß manmit Hülfe der Vernunft zur Wahrheit gelangen könne und nahmdafür die göttliche Autoritär in Anspruch. Da jedoch die heil.Schrift nicht ausreicht, wenn eine unfehlbare Erleuchtung sienicht erläutern hilft, war er gezwungen (da er die Autoritätder Kirche durch seinen Abfall verworfen hatte), zum Mysticis-muS und zur unmittelbaren inneren Erleuchtung seine Zufluchtzu nehmen.
Andere, die dies verschmähten, wandten sich dem Seeptj.cismus zu. Jener Heinrich Cornelius Agrippa vonNettesheim (1487—1535), welcher davon ausging, die Ge.Heimwissenschaften und die cabalistischen Künste anzugreifen unddamit endete, sich ihnen zu ergeben, scheint auf den ersten An-blick ein leichtgläubiger, blinder Dogmatiker. Doch aber führter die Scepsis bis an ihre äußerste Grenze in der Schrift „Ei-telkeit und Ungewißheit der Wissenschaften" (Köln, 1527), woer nicht einmal zuläßt, daß der Mensch sogar seiner eigenenUnwissenheit gewiß sei.**) Die Mathematik stellt er über die
«) Dr. Wullen, a. a. O. D. B.
") Die charakteristische Ueberschrift dieses Buches lautet:
Intel' ckivos nultos non earpit Alomils,
Inten Iisroas monsti'a, ^uaeyus inseotatur Iseroule«,
Inten «laeinones rex liwebi pluton inasvitur omnibus umbiis,Inten pliilosoxtros rillet omnin Lemooritus,
Oontna «teilst vuneta Hoi'aoütns,diesoit ^naecsue I^rnkias,
Kt seine sv xutnt oinnia Lnistotelos,