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Zehnter Band.
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Er hatte durch den Ungehorsam gegen den ihm bekannt gemachtenBefehl und durch den Bruch seines Versprechens/ durch eigeneSchuld den Verdacht der Hierarchie auf sich gezogen. Er hattedie ihm gewordene Warnung, daß jene von ihm aufgesiellte„falsche Meinung" der Schrift zuwider sei, die Nothwendigkeit,sich auf die Hypothese zu beschränken, mißachtet *).

») Galilei war übrigens tief entmutbigt. Sein vorgerücktes Alter, kör-perliche Leiden, namentlich die beginnende Augenkrankheit, welche mitErblindung endete, die Mühseligkeiten der Reise, da zum zweiten MalToscana schwer von der Pest heimgesucht und daher alle Verbindungmit den Nachbarländern ins Stocken gerathen war, lasteten nicht minderauf ihm als der Schmerz, vor die Inquisition gestellt und somit ketze-rischer Meinungen verdächtig zu sein. Denn er war und blieb imGrunde stets ein glaubenstreuer Sohn der Kirche. Zn so bedrängtenUmständen wandte er sich am 13. Oktober 1632 von Florenz aus aneinen der Kardinäle aus der Barberinischen Familie; an welchen, gehtaus der Ueberschrift des Briefes nicht hervor, aber wahrscheinlich an denältern Antonio, des Papstes Bruder, mit folgendem Schreiben, das einentiefen Blick in sein Inneres gewährt und darum eines der interessante-sten von seiner Hand ist: „Daß mein vor Kurzem bekannt gemachter DialogWidersacher finden würde, dies sahen, wie Ew. Eminenz mir glaubenwollen, alle meine Freunde mit mir voraus, indem die Aufnahme mei-ner früheren durch den Druck verbreiteten Bücher es ahnen ließ, unddies das allgemeine Loos der Meinungen zn sein scheint, welche von denbisherigen gewohnten Lehren auf irgend eine Weise abweichen. Daßaber der Haß Einzelner gegen mich und meine Schriften, blos weil fieden Glanz der ihrigen zum Theil in Schatten stellen, auf die Gemütherverehrter Vorgesetzten den Eindruck machen würde, als wäre meinWerk des Lichtes unwürdig, war mir in Wahrheil unerwartet; so daßder vor zwei Monaten dem Drucker und mir ertheilte Besthl, keine Ab-drücke mehr auszugeben, mir schwer aufs Herz fiel. Eine große Er-leichterung gewährte mir indeß die Reinheit meines Gewissens, welchemich zu dem Glauben ermächtigte, daß die Erläuterung meiner Absichtmir ohne Mühe gelingen müsse. Und ich wünsche und hoffe, manwerde mir Gelegenheit geben, mich auSzuspreche», und hielt mich zugleicher Zeit überzeugt, meine Demuth, Ehrerbietung, Unterwürfigkeitund Anheimgebung aller meiner Gedanken würden hinreichen, die Obernzu überzeugen, daß meine Bereitwilligkeit, zu gehorchen, sie sicherstellte,daß ich auf den geringsten Wink nicht blos nach Rom, sondern anSEnd« der Welt mich begeben würde. Unter diesen Umständen kann ichnicht verhehlen, daß der mir vor Kurzem im Namen der Congregationdes Saut' Uffizio zugegangene Befehl, innerhalb des laufenden Monatsvor diesem Tribunal zu erscheinen, eine Oluelle tiefer Betrübniß ge-