Band 
Zehnter Band.
JPEG-Download
 

581

auch viel auf die sogenannte Majolika. In Teppichen trieb manauch nicht geringe Pracht; ferner hielt man auch viel auf künst.lichcs Schnitzwcrk von Holz. — In ihren Häusern hielten reicheLeute auch gerne Affen, Papageien, Pfauen und andere fremdeund seltene Thiere. — Das Frauenzimmer kleidete sich prächtigund artig. Man brauchte schon Sammet und Seide, Schmuckund Edelsteine, besonders goldene Ketten, mit denen auch dieHerren prangten, deren größte Pracht im Winter Pelzwerk, vor-nämlich Marderpelze, gewesen, die nicht Jedermann tragen durfte.Manches reiche Haus ist durch übertriebenen Luxus zu Grundegegangen. Die Fugger, vielleicht auch andere Reiche, hieltenschon Kutschen, und Knechte, welche die Livreen ihrer Herren

trugen, waren schon gewöhnlich.-Auf diese Zeiten des

Wohlstandes und des Wohllebens folgten nun zu Anfang des17ten Jahrhunderts für Augsburg, sowie für ganz Deutschland,Zeiten des Elends und der Verwüstung während dem 30jährigenKriege... Alles Gewerbe lag darnieder, die mächtigsten Hand-lungcn gingen zu Grunde und »ermögliche Leute kamen an denBettelstab. Noch konnte man sich der gewohnten Ueppigkeit nichtganz enischlagen, selbst in diesen erbärmlichen Zeiten. Die Obrig.keil war gezwungen, die Pracht der Hochzeiten einzuschränkenund das Zechen auf dem Lande zu verbieten ... Nach und nacherholte sich die Bürgerschaft wieder auS dem erlittenen Elend,die Stadt kam wieder empor, zwar war die Handlung kein Ver-gleich mehr gegen die der alten'Zeiten, doch entstanden baldneue Häuser, welche die alten einigermaßen ersetzten ... Aderdie Sitten hatten sich sehr verändert, man konnte sich langenicht zusammengewöhnen. Beide ReligionStheilc behielten miteiniger Bitterkeit ein heimliches Andenken an vorige Zeiten ...Zur Klcidenracht liebte man um diese Zeit vornämlich dieschwarze Farbe, zu Freud und Leid. Beide Geschlechter kamenvon jeher selten zusammen, doch gaben die Hochzeiten dazu öftersGelegenheit; dazu wurde gewöhnlich der ganze Rath und dieKaufmannschaft geladen, wenn z. B. ein Schuster oder Schnei,der eine Magd auS einem vornehmen Hause hcirathete. Wie zuHochzeiten, so wurde auch zu Leichenbegängnissen Alles aufgebo.ten. Im Hause ging es gewöhnlicher Weise nicht prächtig zu.Frau, Kinder und Mägde hielten sich in einer Stube, und dieMahlzeit wurde von ihnen, dem Herrn und Knechten an EinerTafel oder doch in demselben Zimmer eingenommen. Wurde