der das Bedürfniß, je weniger es entbehrt oder auf an-dere Art befriediget werden kann, desto größer ist auch dieAbhängigkeit oder Dienstbarkeit. Oft ist daS Gehorchenund daS Gebieten wechselseitig, weil der eine in dieser,der andere in jener Rüksicht eine Ueberlegenheit besizr undbald dieser bald jener deS anderen bedarf. So gebietetzwar der Herr seinem Diener, der Fürst seinem Minister,weil er ihn an Reichthum und vieler anderen Macht über-trifft, aber mancher wird wieder von diesen bkherrscht,weil sie ihn an Verstand, an Sachkenntniß, an Arbeit-samkeit übertreffen und hat man nicht auch Beispielegenug von dem Mißbrauch dieser Herrschaft wie jeder an-deren gesehen? Laßt den größten Potentaten des Erdbo-dens krank werden, so gehorchet er seinem Arzt, obgleicher demselben in anderer Rüksicht gebietet. Ganze Armeenfolgen ja oft einem armen Wegweiser, sie gehorchen sei-nen Befehlen, da sie ihn doch jeden Augenblik vernichtenkönnten, und mit einem Wort, wo irgend ein Mensch sichanderen nöthig oder unentbehrlich machen, wo er ihnenSchaden abwenden, Ruzen oder Vergnügen verschaffenkann: da herrschet er auch über sie, da giebt er ihnen Ge-seze. s) Da wo hingegen die Kräfte einander gleich sind
8) Einem weisen Knechte muß der Herr dienen und ein ver-nünftiger Herr mmret nicht darüber. Sir ach X. az.
9) Sieht man nicht Potentaten die in der Geld. Noth oft von>geringen Privat-Personen abhängen? Laßt eine Hebammezu einer königliche» Wöchnerin kommen, im gleichen Augen-blik wirb sie ihr und dem ganzen Pallast Geseze geben.Und die Weiber, dak schwächere Geschlecht, warum hcrr--scben sie bisweilen über die Männer? Nicht in so fern siedie Schwächeren sind; aber wo man Schönheit und Liebesucht, da sind sie die Mächtigeren, da bedarf man ihrerGunst.