seines Bruders, sondern eines Höheren zu seyn. Der städti-sche Dienstbote dünkt steh größer und vornehmer je mehrsein Gebieter sich durch Rang und Vermögen vor anderenauszeichnet. Er dienet lieber dem großen als dem geringenHerren, wenn er schon von dem lezterrn eben so gut be-zahlt und vielleicht besser gehalten wird. Dem überlege-nen berühmten Meister in irgend einer Wissenschaft oderKunst laufen die Schüler freywillig zu und Tausende ah-men ihn in seinen Vorzügen ja sogar in seinen Fehlernnach. Die Allgewalt der sogenannten Mode, die oftauch unsinnige und beschwerliche Dinge gebietet: woherkömmt sie als von mächtigen Orten, von großen Haupt-städten und Höfen, denen alle Welt nachahmet und folget,selbst da wo sie nicht gezwungen ist? Warum werdenStaats - oder Fürstendienste mehr gesucht als Privatdienste,da doch die lezreren, zumal in unseren Tagen, oft eben soeinträglich, ja sogar sicherer und freyer sind? Man beob-achte daö Militär und man wird sehen, daß die geringstenSoldaten immer lieber denjenigen zum Offizier haben, dersich nicht bloß durch Dienst-Erfahrung, sondern durch sicht-bare Vorzüge des Standes und Vermögens vor ihnen aus-zeichnet oder auch nur einen Namen trägt, mit welchemman die Idee der Ueberlegenbeik zu verbinden gewöhntist. Eben diese Gesinnung findet sich bey den Offizierenwieder; niedrigere al« man selbst ist, hat niemand gernüber sich. Edelleute dienen nicht ben ihres gleichen, son-dern nur bey Höheren, Fürsten-Söbne nur bey einemKönige oder Kauser. I3 > Ganze Armeen sind stolz auf die
13) Joh. v. Müller berichtet von Rußland im 2^1676: »daß„ kein Edelmann von alrem Geschlecht unter einem weniger„ edlen Offizier dienen, ja sogar dem Statthalter emes kan,«des oder einer Stadt nicht gehorchen wollte, wen» dessel«