382
nicht in seinem Gewissen fühle, von anderen fordere Mwenn er auch Ausnahmen für sich selbst macht/ doch feintVerbindlichkeit im Allgemeinen zugeben müsse. Versuchtauch ein Sophist dasselbe zu läuguen oder von menschlicherWillkühr herzuleiten/ so ruft er eö wieder an, sobald solchesgegen ihn verlezt wird und fällt alle Augenblike mir sichselbst in Widerspruch. In allen Ländern , zu allen Zeiten/unter allen Nationen und Classen von Menschen *?> wardieses Gefez beständig als Regel anerkannt und zur NormdeS Urtheils über die Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit,die Schändlichkeit oder Verdienstlichkeit der menschlichenHandlungen genommen. Alle menschlichen Gebore oderverbindlichen Willens- Erklärungen suchen sich auf dasselbezu ftüzeu, gehen von ihm aus und wieder auf dasselbe zu-rük. Auch hat eS in allen Zeitaltern und Nationen nie angroßen Männern gefehlt, welche dieses Gefez aus der Na-tur ergriffen und mit gefühlvoller Beredsamkeit den Men-schen geoffenbaret, dargestellt, entwikelt, oder vielmehrsie an dasselbe erinnert, ihren Sinn dafür aufgrwekt undbelebt haben; keiner aus ihnen hat es je von menschlichemUrsprung hergeleitet. 18 > Ist nun aber das kein Gefez,
17) Semper, ubique, ab omnibus — der untrügliche Charak-ter allgemeiner Wahrheit und ihre« göttlichen Ursprungs.So sagt auch Cicero: Omnium consensus naturae vox«st (jucesti Tusculi L. Ii a 13. 14. Nicht als ob ste zursammrngetreten wären, wie unsere neueren Phüosvvhen eSgeistlos auslege». Da« Gese; ist nicht deßwegen vorbanden,weil alle Menschen eingestimmt haben, sondern sie stimme»überein weil es ihnen allen angeboren ist.
18) Es macht wahrlich unserm Zeitalter wenig Ehre, daß Grie-chen und Römer uock religiöser waren als wir, gleichwiesie uns an Geist und Geschmak unendlich übertreffen. Sag-ten nicht schon Chrysippus und dieStoiker: .. Juris ori-