Band 
Sechster Band. Zweyter Theil. Von den Republiken oder freyen Communitäten.
JPEG-Download
 

m

zu bewirken, und selbst vetz den besten Gesinnungen nicht-immer zu vermeiden. Sezt man auch voraus, daß maniiber den Zwek einig sey , welches bereits nicht immer derFall ist: so sind die Ansichten über die Mittel verschie-den, ja sogar oft einander entgegengesezt. Vergebens sagtman, jeder wolle das Beßte des Vaterlandes, und eSrönnen auch beyde Partheyen von gleicher Liebe für das-selbe beseelt seyn; diese Gemeinsprüche helfen zu nichts;rs reicht nicht hin im Allgemeinen zu behaupten, daßman das Gute liebe, man muß vorher wissen worin esbestehe. Nun hat der eine weitere, der andere engere Be-griffe von dem was er Vaterland nennt. Jener z. B.denkt sich darunter das Land und das Gesez seiner Värer,den Jnnbegriffvon Besizungen, Wohlthaten, Gesezen undTraditionen die von den Vätern auf ihn herabgekommensind und die er hinwieder seinen Kindern überliefern will;dieser blos den Boden und die numerische Menge derdarauf wohnenden Menschen; ein dritter nur die herr-schende Genossenschaft oder gar seine besondere Classe oderInnung, und man hat zu allen Zeiten selbst einzelneEhrgeizige oder Fanatiker gesehen, die ihre eigene Sachemit deren des Vaterlandes für identisch hielten und ih-rem Eigennu; oder ihrer Herrschsucht fröhnten, indem sieder Republik zu dienen vorgaben oder vermeynten. Ebenso verschieden sind die Begriffe von dem Ruzen desVaterlandes; der eine hält ihm dieses der andere jenesfür zuträglich, und je nach dem Zwek den man sich vor-sezt, kann die nemliche Handlung bald nüzlich bald schäd-lich genennt werden. Um nur ein Paar Beyspiele anzu-führen, so wird der eine die Ruhe und die Künste desFriedens als das höchste Gm rühmen, indeß ein andererdie Ehre der Republik nur durch den Krieg zu retten und