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Alēthinos kai prōtos poimēn : = Verus et primus pastor : feyerliche Danck-Rede des hochwürdigsten Ertz-Bischoffens von Gross-Novogrod, oder Neugard an dem Fluss Wolgowa in West-Russland zu Gott, und an seine versammelte Clerisey auf die Abtrohnung Peters des Dritten Czaars in Russland ... / gesprochen, und aus dem Griechischen in die deutsche Sprache übersetzt von Czsar-Jelim Ivanowiz
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scheu auf die Welt gefetzt hätte, deren einer unter dem Arktischen,der andere unter dem Antarktischen Pol wohnte, wurden sie sich gantzgewiß zur Gesellschafft aufsuchen, wenn sie um einander etwas wuß-ten. , Die Liebe ist uns in das Hertz gepsiantzt; und fordern es dieUmstände gar offt, daß wir einander zu lieben gezwungen sind, wennwir von Feinden beunruhiget werden. Ich will da nicht sagen, daßdie wahre Menjchen - Liebe nur auf den Eigennützen sich fuffen soll.Ein solcher Zweck brachte ihr schlechte Ehre. Wo es aber auf dasGegen - und Gutwollen ankomt, laufft sie in richtem Fußsteig. Siehak da, was das Herz der wahren Liebe sechsten ist. So han-delt sie wie in der kleinen, also in der grossen Welt. Die gröstenKönigreiche, und in selben Fürsten, und Potentaten hatten von ih-rer goldenen Glückseligkeit ein unruhiges Vergnügen, und von denFrüchten ihrer Herrlichkeit einen wandelbaren Genuß, wenn sie mitder Freundschafft, als der schönsten Tochter der Liebe, andern nichtzugethan wären. So lang die Welt steht, weißt man von Verbind-nissen. Sind die Freunde Machbaren, welche ihre Wappen in einemStein, und ihre Herzen in einem Vertrag Gesellen, O! wie gutsteht es da. Die Vortheile sind ja beträchtlich. Findet sich zwischenihnen ein fremder Raum, können, und mögen sie sich aber einanderim Fall einer Betrangniß Lufft machen, hat auch da das Verbünd,niß seine Würckung. Glückselige Staaten! die Freunde zehlen, wel-chen noch Macht, noch Treue mangelt. Keine taugt ohne die andere.Die Treu ohne Macht tragt aus dem Grund ihres redlichen Herzensnichts den Winde an , die das Gefahr lauffende Schiff des verbun-denen Staats aus den Wellen in den Port nicht blasen können. DieMacht ohne Treu gleicht einem festen See-Haven, den man nichtallzeit offen findet, wenn es die gröste Noth ist, und auf dessen Wäl-len man zuweilen die Canonen gar wider das freundliche Schiff loßbrennet. Sollte dennoch eine aus beeden manglen, so wäre der Ab-gang eines mächtigen Freundes noch erträglicher als jener eines Ge-treuen, welcher wo nicht in dem Werck, doch in wohlmeinenden Rä-then dem angefochtenen Theil mehrere thun kan. Hätten doch dieFürsten der Erde auch ein Auge in der Hand, welche sie in Ver-bündungen einander reichen, wie offt wurden sie selbe zurück neh-men, da sie an einem Bundsgenoffenen keine Finger eines aufrichti-gen Menschens, wohl aber Pratzen listiger, und grausamer Panter-Thieren grlffen sollten. Ein kluges Mißtrauen mag da viel nutzen,

wel-