Band 
Erster Theil, welcher ausser dem vorgesetzten Leben Clementis XI. 86 Cardinäle in sich begreift.
JPEG-Download
 

XXXI. Leben des Cardmals Portocarero. 127

So bald er sein Wort von sich gegeben, langten sorvoblgroße Geld «Summen als Briefe von dem Könige LudwigXIV. bey ihm an, darinnen dieser Monarche ihn ausdrück-lich ermähnte, sein Versprechen zu erfüllen. Er kam solchemauch treulich nach und hielt zu dem Ende täglich mir demFranzösischen Gesandten geheime Unterredungen, dabey balddieses bald jenes auf dieBahn gebracht wurde , die SpanischeMonarchie in Französische Hände zu spielen. Endlich wur-de ein Testament für das Beste gehalten. Man machte denEntwurf davon und schickte ihn nach Versailles, damit solcherdaselbst untersucht, und nach dem Willen des Königs einge-richtet werden möchte. !A1s der Cardinal die Feder ansetzenwolte, den Aufsatz zu machen, laß er zuvor eine feyerlicheMeße, damit alles glücklich von statten gehen möchte. Eingleiches geschahe auch, als der Courier mit solchem Aufsätzenach Frankreich abgienge. Bey beyden Messen befand sichder Französische Gesandte, Marquis von Harcourt, zugegen.

Nachdem der Entwurf des Testaments von Versailleszurücke gekommen, war nichts mehr übrig, als solches vondem Könige unterschreiben zu lassen. Man gieng lange zuRache, ehe man es damit wagte. Endlich da die Schwach«heit des Königs sich so vermehrte, daß man an seinem baldj.gen Absterben nicht mehr zweifeln durfte, begab sich der Car-dinal in Begleitung einiger andern vornehmen Minister zndemselben und stellte ihm auf das beweglichste vor, wie nöthiges sey, auf das Beste seiner getreuen Unterthanen zu denken,ehe er aus dieser Welk gienge. Als nun derKönig bezeugte,daß er solches schon gethan hatte uyd daher sich nicht gerneweiter mir weltlichen Dingen beschäftigen wolte, hielt ihmder Cardinal den Theilungs-Tractatvor, der sowohl der Spa-nischen Monarchie schimpflich und schädlich, als auch der gan,zen Catbolischen Kirche, die durch die Zergliederung des Spa-nischen Reichs eine große Stütze verlöhre , nachtheilig wä-re, wobey er ihm sehr lebhaft zu Gemüthe führte, daß desgemachten Theilungs« Traktats ungeachtet der mächtige Ludwigobnfehlbar seine Rechte auf die gesammre Spanische Monar-chie ausführen und dadurch ein Blutbad zum Ruin der gan-zen Nation erfolgen würde. Woftrne nun Se. Majest.tuder

Carho»