Band 
Erster Theil, welcher ausser dem vorgesetzten Leben Clementis XI. 86 Cardinäle in sich begreift.
JPEG-Download
 

2O2 XI.IX Leben des Cardinals von Bouillon.

dienrmg eines Groß-Aümoseuiers von Frankreich, in welcherQualität er nicht nur den König in feinen Feldzugen beglei,ret, sondern auch dessen drey Enkel gekauft hat.

Im Jahre 1676. giengerzum andernmale insConclave,nachdem er im Jahre vorher Dom »Propst zu Lüttich worden.Er erwiest sich darinnen sehr eyfrig für da^ Beste der KroneFrankreich und gab sich viele Mühe, den Cardinal Grimaldizur Päpstl. Würde zu befördern, konnte aber nicht verhindern,daß nicht der Cardinal Odeschalchi, der gar nicht gut Frau,zösifch gestnner war, unter dem Namen Jnnocentir XI. zuderselben.gelanget wäre.

Im Jahre i68z. erhielt er die Abkey St. Clugny, wo-durch er zugleich das Oberhaupt des ganzen Cluniacenser» Or-dens wurde. Alleine nicht lange darauf fiel er in des KönigsUngnade , worein ihn sein''Vetter, der junge Prinz Ludwigvon Tnrrnne, der ohne des Hofs Vorbewust, i684- demFeldzuge in Ungarn beywohnte, stürzte. Denn da ihm dieRückkunft verbothen wurde, ließ der Cardinal einige harreWorte deßhalben lausten, die vor den König kamen, der da-durch in dem Verdachte bestärkt wurde, als ob die Prinzendieses Hauses wegen des verlshrnen Fürstenthums Sedan esnicht aufrichtig mit dem Hofe meinten. Hierdurch verlohrder Cardinal auf einmal alle bisher genossene Königk. Gnade.

Er empfand dieses sonderlich 1688. da nach Absterben desChurfürstens von Cölln das wichtige Bißrhum Lüttich ledigwurde, varzu er als Dom'. Propst die stärkste Hofnung hakte,aber durch den König in Frankreich, der ihn schriftlich erinnernließ, sich auf dieses Bißthum keineRechnung zu machen, viel-weniger dem Cardinal von Fürstenberg im Wege zu seyn, da-ran verhindert wurde. Da nun dieser an den meisten Euro-päischen Höfen eine verhaßte Person war, und man deßhal,den dem DomlCapitul destomehr anlag , den Cardinal vonBouillon zu erwählen, vermehrte sich dadurch des KönigSUngnade desto mehr gegen ihn. Man beschuldigte ihn einesgeheimen Verständnisses mit der Crone Spanien und bedrohet«

ihn sogar mit der Bastille, worein stuch seinethalben der

Staats-