2Oü Xl.rx. Leben des Cardinüls von Bouillon.
stehen, daß sie gerne sähen, wenn er sich anders wohin begä-be, worauf ihn der Cardinal Negroni in seinen Pallast auf,nahm. Nicht lange darauf erfuhr er das Unheil, das derKönigl. Staatsrath den n. Sept. wider ihn abgefaßt hatte,Kraft dessen er wegen seines Ungehorsams gegen den König,aller Ehren, Würden und Einkünfte, so weit solche die CroneFrankreich angiengen, verlustig seyn sollte. Er sprach beyEmpfahung desselben: Ich will lieber als ein armer Car-dinal zu Rom leben, denn mich der VLMkühr eines Rö-nigs, der von meinen Feinden eingenommen ist, un-terwerfen.
Als der Papst sterben wollte, erkannte er das Unrecht,das dem Cardinal wiederfahren, daher er ihm vor seinem Cn-de nicht nur das Decanar ertheilte, sondern auch durch einSchreiben an den König eine Verbitte für ihn einlegte, dieaber vergebens war. So bald der Papst den 27. Sept. 1700.todt war, behauptete Bouillon das Decanat und übernahmalle Verrichtungen, die ihm in solcher Qualität bey Verlet-zung des Päpstlichen Stuhls zukamen. Den 9. OQ. gien»gen die Carbinäle ins Conclave, er selbst aber blieb aus sol-chem so lange hinweg, bis der Französische Abgesandte, dem«r deßhalben keinen Verdruß machen wollte, bey dem Heil.Collegio die gewöhnliche Audienz gehabt.
Er erzeigte sich in dem Conclave der Französischen Par-they in keinem Stücke zuwider und war nicht zu bewegen, derParthey einer andern Crone beyzulreken. Er hakte das Ver-gnügen, daß ihm etliche Scrukinia geneigt waren; aber esgeschah nur, um Zeit zu gewinnen, daß die abwesenden Car-dinäle vollends anlangen möchten. Endlich glückte es demCardinal Albani, daß er den 29. Nov. unter dem NamenClemens XI. auf demPäpstl.Stuhl gesetzt wurde. Weiler dieBischofsweyhe noch nicht empfangen, hatte Bouillon alsDe-canus des Heil. Lollo^ü die Ehre, ihm solche den Zc>. Nov.zu ertheilen. Er verließ darauf den 22. Febr. 1721 auf An«rathen des Papsts die Stadt Rom, nachdem er den rZ.Iau.wegen des BißthumS Ostia aus des Papsts Händen dasPal-lium empfangen harre, und entschloß sich, nach Chambery in