Band 
Erster Theil, welcher ausser dem vorgesetzten Leben Clementis XI. 86 Cardinäle in sich begreift.
JPEG-Download
 

Li. Leben des Cardinals Ferrari. 215

Jnnocentius XI. gab ihm hierauf die oberste Profeßor«stelle bey den Dominicanern zu Bologna, die er aber nichtlange bekleidete, weil er von diesem Papste nach Rom beruftfen und zum Maestro di Gr. Palazio oder Hofmeister desPäpstlichen Palasts im Vatican ernennet wurde, welches an,sehnliche Amt allezeit von einem Dominicaner bekleidet wird«Es bestehet solches darinnen, daß er alles, was zu Rom ge,druckt werden soll, vorher übersehen muß. Er hak daber al»lezeit Sitz in den Congregationen desJndicis, des Heil. Ofsi»cii und derer Kirchengebräuche. Es werden auch keine ande,re als gelehrte und sehr erfahrne Theologi und Canoniftendarzn genommen. Er mußte zugleich die Hofprediger Stellean des kranken P. Recanati statt versehen, die er auch bis anden Tod dieses Papsts mit vielem Beyfalle bekleidet, und insolcher Qualität Mers vor dem Papste und den Cardinälengepredjget hat«

Innocentius XII. hatte ihn, da er Legams zu Bolognagewesen, genau kennen lernen und vielen Umgang mir ihmgepflogen, daher ex ihn bey dem Antritt seiner Regierung seL,ner besonderen Gnade würdigte. Die größte Probe hiervongab er ihm durch die Erhebung zur Cardtnalswürbe, die exihm den »2. Dec. 169z. ertheilte. Er empfieng den Priester,Titel St. Clementis «nd zugleich die Abtey Gk. Barrholo,mäi in Gakdo bey Benevenr, wohin er aber niemals gekom,men, weil er stets zu Rom geblieben. Der Papst würdigteihn einer solchen Vertraulichkeit, daß er ihm in dem Päpstl.Palaste ein Zimmer einräumte, um ihn als eine» erfahrne»»Theologum stets bey sich zu haben.

Im Jahre 1700. wohnte er dem Conclave bey. Er meng,tt sich in keine Intriguen, sondern ließ der Wahl ihren freyenLauf. Er war beflissen, demjenigen, den er für den wür-digsten hielte, seine Stimme zu geben, wobey er gemeiniglichder stärksten Parthey beysiel. Der neue Papst Clemens XI.würdigte ihn seiner Hochachtung, weil er überhaupt geschick,te und gelehrte Leute sehr liebte. Er zog ihn zn den allerrvich«riqsten Beratbschlagungen und ließ ihn an allen GtaatS.undKirchensachen Therlnehmen, wobey er allemal mehrderOester,

O 4 reich»,