I^xv. Leben des Cardinals Priuli. 261
Helena Basadonna, des Cardmals dieses Namens Schwester.Er harre z. Bruder, die alle bey der Republick zu ansehnlichenEhrenämtern gelangten. Er wurde dem geistlichen Standegewidmet und kriegte jung die Abkeyen St. Zeni und St. Cu»phemiä. Nachdem er >.^9. die Doctorwurde in der Juris,prudenz, auf welche er sich von Jugend auf stark gelegen an«genommen, ward er Venerianifcher Auditor Rotä zu Rom.Er sah sich hicrdurchzu einer solchen Bedienung erhoben, dieihm den Weg zur Cardinalswürde bahnte, Allerne er mußteeine geraume Zeit warten, ehe er den Zweck seiner Hofnungerreichte, weil ihm stets andere, und theils viel jüngere Prä»laren, ja sein selbst eigener Vetter, Petrus Priuli, der 20.Jahre jünger war, vorgezogen wurden.
Endlich liessen seine Bruder und andere vornehme An,verwandten bey der Dnrchk. Signoria nicht eher nach, alsbis er bey dem Papste zur Cardinalswürde vorgeschlagen war»de. Dieses winkte soviel, daß er den iF. May 1712^ den sosehnlich gewünschten geistlichen Purpur erhielt. Er war be»reiks 62^ Jahre alt, da dieses geschah, gleichwohl entstunddarüber zu Venedig be» allen feinen Anverwandten eine sehrgroße Freude. Man sah drey Abende nach einander nichtsals Freudenfeuer und der Priulische Palast war zu solcher Zeitmit lauter Standsperfonen - anßefnllr, die den Brudern,Schwestern und andern Angehörigen des neuen CardinalSwegen dessen Erhebung Glückewünfchten. Man reichte ihnenhierbey nicht nur in Menge aLerhanb Erfrischungen, sondernerzeigte auch denen, bey einer angestellten herrlichen Serena,de in großer Anzahl erschienenen MaSquen viele Ehre, denArmen aber theilte man häufst- Wem und Brod aus.
Der neue Cardinal erhielt sogleich aus des Papsts Hän,den das Biree und einige Zeit hernach den Hut, samt demPriester-titel St. Marcelli, den er 1714. mit dem von St.Marco vertauschte. Er blieb beständig zu Rom und führtesich jederzeit so auf daß er schien, Lust zur päpstlichen Wirr,dezu haben.