266 l.xvi. Leben des Cardinals Casoni. i
dern Orte haben konre. Hiernachst wurden im Lande starkeContttbutioneS eingetrieben, die auch die bloquitte Stadt Fer,rara entrichten mußte, wollte sie anders nicht bombardirt wer,den. Endlich kam es 1709. zu einem Vergleiche, Kraft des,sen nicht nur Ferrara von seiner beschwerlichen Bloquade, son,der« auch das ganze Land bis auf Commachio von den Kai)«serlichen Völkern besreyet wurde.
Mir diesen Tronblen gieng auch des Cardinals CasoniDreyjährige Legarton zu Ende. Jedoch weil seine bisherigeAufführung zu Ferrara bey dem Papste großen Beyfall ge,funden hatte, ward er in gleicher Qualität auch auf dreyJahre nach Bologna geschickt. Den 5. Bec. 1709. langte er ^Daselbst an und wurde von dem dasigen Erzbtschof und gesam»len Adel aufs herrlichste empfangen. Der Magistrat ließ ihmzu Ehren ein Feuerwerk anzünden und feinen Palast prächtigerleuchten.
Das erste, was er zu Bologna that, war, daß er jeder,mann, auch so gar dem gemeinen Pöbel, erlaubte, sich, solange das Carneval wahren würde, zu masquiren. Er vcr,stattete solches aus der Ursache, daß das Volk nach so vie,len ausgestandenen Kriegs, Troublen wiederum eine Erqni, ^ckung haben sollte. Nach dem Carneval ließ er ein Ebict am ?schlagen, Kraft dessen die goldenen Münzsorken nicht anders, ^als nach dem Gewichte und ihrem innerlichen Werthe, ange,nommen, diejenigen aber, die um drey Gran zu leichte wä,reu, in die Münze geliefert werden sollten. Er ließ auchDurch ein anderes Edier die bisher eingeführten fremden Münz, >sotten herunter setzen, worüber das Volk nicht wenig murrte.
Den 27. Nov. 1712. hatte er die sonderbare Ehre, daßder nachmalige König August III. von Pohlen und Churfürstzu Sachsen, als damaliger Churprinz, in seine Hände dieEvangcl. Lutherische Religion abschwur unddargegendieRcm.Catholische annahm. Dieser Prinz hatte sich seit geraumerZeit in der Stadt Bologna aufgehalten und war von demEardingl Casoni zum öftern herrltch bewirthet worden. Um jDiese Zeit stiftete auch der bekannte Graf Marsigli in dieser ^
Stadt