I.XVU. Leben des Cardinals Astalli. 271
alle Vortheile in die Hände gespielet hätte. Der Kayser ver«langte daher durch seinen Gesandten zu Rom ausdrücklich, daßder Papst den Cardinal Astalli darzu anhalten möchte, daßer nach Wien käme und sich seiner Parteylichkeit wegen, dreer in so vielen Begebenheiten von sich spüren lassen , recht,fertigte. Alleine der Tod des Kaysers Leopoldi kam darzwi«schen und verursachte solche Veränderungen ^ daß an dieseSache nicht weiter gedacht wurde.
Im Jahre 1705. entstund ein Aufstand unter den Bau«ern im Herzogchum'Ferrara, weil sie von den Franzosensehr mitgenommen wurden und sich von dem Papste und des-sen Trouppen keines sonderlichen Schutzes und Beystandeszu getrosten hatten. Der Cardinal gericeh darüber in grosseSorge, weil er sich Nichts gutes daraus vorstellte. Er ver,sprach den Aufrührern anfangs alle Genugthuung, wenn siedie Waffen niederlegen würben. Da sie es aber nicht tha-ten , wurde mit aller Schärfe wider sie verfahren.
Im Jahre 1707. wurde er in feiner Legation zy Ferra«ra abgelöset, nachdem er solche 9. Jahre nach einander beklei-det harte. Er wandte sich hierauf nach Rom und trat in dieOrdnung der Cardinal «Priester, wobey er den TitelSk Pe-in in vinculis erhielt; warb aber nicht lange darauf Cardi-nal, Bischof.
Der Papst setzte ein sonderbares Vertrauen in seine Ge,schicklichkeit und große Einsicht in die StaatS«Sachen , da«her er ihn zu verschiedenen außerordentlichen Congregationei,zog, dergleichen wegen der Erkennung Caroli von Oesterreichfür einen König in Spanien, und wegen der üblen Auffüh-rung des Cardinals Alberont, ingleichen wegen der in Frank,reich graßirenden Pest angeordnet worden.
Den az. Febr. 1719. starb der Cardinal AcciaM alsDecanus des heil. Collegii. Sobald Astalli Nachricht davon«hielt, fand er sich aus ffeinem Bißthnm, wo er sich ebendamals aufhielt, sogleich zn Rom ein, um als bisheriger Vi«re.Decanns von dem Decanat Besitz zu nehmen. Der näch-st-