,4
Von Poeten.
gleichen Muster. Hier sieht man den völ-ligen Glantz und die majestätische Pracht ider wahren Dichtkunst, welche nur glückli- Iche Leidenschaften erweckt, welche unsre Her-zen rührt, ohne sie zu verführen, welche unsgefallt, ohne das; sie unsern Schwachheitenschmeichelt, welche uns in einer beständigenAufmerksamkeit erhalt, ohne uns mit nichts-würdiqen und lächerlichen Erzählungen zubeschäftigen, welche uns unterrichtet, ohneuns verdrießlich zu machen, welche unsGOtt kennen lehrt, ohne uns denselben un-ter solchen Bildern vorzustellen, welche sei-ner Gottheit unanständig sind, und welcheuns beständig überraschet, und in ein hei-liges Erstaunen setzt, ohne uns du ch einge- !bildete Wunderwerke zu hintergehen. Diese !Dichtkunst, welche bey ihrer Anmuth alle-zeit nützlich, durch ihre kühnen Ausdrücke,durch ihre lebhaften Figuren, noch mehr aber,Durch die Wahrheiten, welche sie uns ver-kündiget, allezeit edel ist, verdient allein denNahmen einer göttlichen Sprache.
So bald die Menschen die Ehre der An-betung , welche man blos dem Schöpferschuldig ist, den Geschöpfen erwiesen: Sofolgte zwar die Dichtkunst dem Schicksaleder Religion, behielt aber doch allezeit ei-nige Spuren von ihrem ersten Ursprünge