52 Von Lyrischen Poeten.
ders in ihren Versen, hingegen sagte sie de-sto mehr Böses von dem Charaxus, weil ;er sich in eine gewisse Buhlerinn, welche ^Rdodope hieß, sterblich verliebt hatte.Das ist eben die RhoVope, welche einevon den ägyptischen Pyramiden baute.
Sappho hat sehr viele Stücken verfer-tiget, wovon nicht mehr als zwey bis aufunsre Zeiten gekommen sind. Man kannhieraus sattsam sehen, daß die Lobsprüche,welche sie von allen Jahrhunderten, in An-sehung der Schönheit, der Zärtlichkeit, desWohlklangs, und der unendlichen Anmuthihrer Verse erhalten hat, ihren guten Grundhaben. Man beehrte sie auch mit demNamen der zehnten Muse,und die Einwoh-ner von Mitylene liessen ihr Bild auf ihreMünzen setzen.
Es wäre zu wünschen, daß die Unschuldihrer Sitten der Schönheit ihres Witzes !ähnlich gewesen wäre, und daß sie ihr Ge-schlecht und die Dichtkunst, durch ihre La-ster und Unordnung nicht entehrt hätte.
Man sagt, sie wäre durch den hartnäcki-gen Widerstand, womit sich Phaon, ein ^junger Mensch in Lesbos, ihren Begierdenwidersetzt hätte, in solche Verzweiflung undin solche Wuth gerathen, daß sie sich vonder Höhe des Leucadischen Vorgebärges in
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