820 Von der Philosophie.
Sache, als in den Worten, und im Grun-de liefen beyder Meynunqen auf eines hin-aus. Er wirft es den Stoikern oft vor,daß sie in die Philosophie vielmehr eine neueSprache, als eine neue Lehre eingeführt hät-ten , um sich nur von ihren Vorgängern zuentfernen. Und dieser Vorwurfscheint ziem-lich gegründet zu seyn.
Beyde waren wegen des Grundsatzes ei-nig, aufweichen man das höchste Gut desMenschen bauen müßte. Das war dieser:Nach der Natur zu leben, der Natur ge-mäß zu leben; secunäum naruram viuere.Die Peripatetiker fiengen damit an, daßsie die Natur des Menschen untersuchten,da-mit sie ihren Grundsatz desto fester stellenkönnten. Der Mensch, sagten sie, hat ei-ne Seele und einen Leib: das ist seine Na-tur. Man muß ihm also, um ihn vollkom-men glücklich zu machen, alle Güter desLeibes und der Seele verschaffen. Dasheißt nach der Natur leben, worinn, wieman eins ist, das höchste Gut besteht. Demzu Folge, setzten sie unter die Güter die Ge-sundheit, den Reichthum, die Ehre und an-dre Vorzüge von dieser Art, und unter dieUebel die Krankheit, die Armuth, dieSchande und dergleichen. Unterdessen lies-sen sie noch einen unendlichen Zwischenraum
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