Band 
[Theil II.]
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6s I. Von der Bildhauerkunst.

ser, wo die Nothwendigkeit dergleichen erfordert,wie man dieses inder Geschichte derNiobe und ihrerKinder sieht, welche vorn Apollo und von derDiana durch Donnerkeile erschlagen, die Niobeaber in Stein verwandelt worden. Alle dieseverwenden ihre Gesichter übermäßig.

Dergleichen Köpfe sieht man aber in Ra-phaels Werken nicht. Und wenn sich ja einerunter unzähligen befindet, so sieht man ihn dochzum wenigsten ganz anders gezeichnet. Ebendieses haben alle große Meister in Acht ge-nommen.

Dennoch hat man die Freyheit, daß man sich insolchen erhabenen Werken zuweilen gewisser stolzerFreyheiten bedienen darf. Dahero sieht man imAntiquen nicht selten gewisse Ungleichheiten in denGesichtern, welche eine lebhafte Bewegung undeine gewisse Schönheit verursachen; sie sind abernicht verrückt, oder aus ihrer Stelle, sondern fastunvermerkt von der Gleichheit der Theile verwen-det, welches vornehmlich in den Lippen und Au-genliedern geschehen kann.

Was ich vom Kopf der Niobe gesagt habe,wird auch dadurch bestätiget, wenn man ihn mitandern antiquen Weiberköpfen vergleichet. Dennman wird finden, daß eine solche Bewegung durchdie Geschichte und gewisse Gegenstände gleichsammit Haaren herbeygezogen worden.

Dieje-