1. Von der Bildhauerkunst. 6i
Diejenigen Köpfe, welche abwärts sehen,sind meistens der Stellung nach sehr schön, weilsie ein anständiges Licht bekommen, und artig sind.Die Wahrheit dessen wird durch viele wunderbareWerke großer Meister bestätiget. Man sehe nurden Antinous, den Herkules, die Flora, dieFlufigdtter , den Apollo , den Bacchus , unddie Stücke vom Raphael.
Man beobachtet auch, daß im Antiquen mehrKöpfe auf die linke, als auf die rechte Seite se-hen, gleichsam, als wenn auf dieser Seite sich mehrArtigkeit zeigte. Man hat auch wahrgenommen,daß die Achsel, wo der Kopf hinsieht, gemeiniglichhöher ist, als die andre. Dadurch entstehe auchdie schöne Bewegung des ganzen Leibes, oder derStatüe; denn er wird dadurch angenehm, natür-lich und fast wie ein lateinisches 8 gekrümmt, wiedas Antique es oft zeiget, und dadurch verhütetder Bildhauer das trockene, oder stangenmaßige,gerade und häßliche Aufrechtstehn.
Viele große Männer stehn in den Gedanken,daß es erlaubt sey, die Wendungen der Köpfe,so viel es möglich ist, starker zu machen; dennweil sie ohne Hülfe andrer Theile des Körpers ganzallein stehn, so würden sie matt, starr undschwach, wenn sie keine Wendung oder Bewegunghatten. Doch muß man sich dabey vor dem schäd-lichen Zuviel in Acht nehmen.
Um also eine gehörige Ordnung zu treffen,muß man, wenn der Kopf mit Majestät gerade
auf