62 I. Von der Bildhauerkunst.
auf die Brust sieht, denselben keinesweges seit-wärts, oder ins Prosit richten, vielweniger dieFalten des Gewandes am Hals um den Kopf da-hin wenden. Wie weit ein Kopf ins Profil ge-wendet werden könne, weis jeder Künstler an sichselbst wahrzunehmen. Schwerlich wird er mtt demKinn bis an das Achselbein kommen. Demohnge-achtet handeln einige doch so unüberlegt, daß sie denKopfweit darüber verdrehen, welche Stellung aberkeinen natürlichen, sondern einen verrenkten Halsund Menschen zum Abscheu vor Augen bringet.
H. 20.
Von den Haaren.
Niemand wird zweifeln, daß die Haare diegrößeste Zierde eines Kopfes sind; der Mangelderselben hingegen eineUrsachedergrößestenUnför-migkeic ist. Sie müssen aber auch wohl geord-net, an ihren rechten Ort, und nach dem Ver-hältniß des Gesichts in gewisser Menge vorhan-den seyn. Die Figuren der guten Zeiten sindmit Haaren versehen, welche groß, lockichk undfleißig ausgearbeitet sind; anstatt, daß die Neuernihre Haare kaum angedeutet haben. Also siehtman an aneignen Weibern, am Apollo, und amBacchus, breite, feine und mannichfaltige Haare.Am Hermaphrodit sind verwunderungswürdigeHaare von Zöpfen und Locken mit Binden zusam.men vereiniget, daß es scheint, als wenn mit FleißManns. und Weibshaare, oder Kopfzierden ver-einiget