Band 
[Theil II.]
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I. Von der Bildhauerkunst. 67

das Mittel und die Schläfe. In diese kömmtdie Anlage der Runzeln, der Adern, der erhöh-ten und steischichten Theile, welches die Naturreichlich anzeigt.

Einige wollen behaupten, daß eine kurzeStirne bey den Griechen für schön gehalten wor-den, und nach den heutigen Begriffen eine hoheStirne unrecht für schön angegeben werde. Mei-nes Erachkens kömmt es auch hier auf das ver-haßte zu viel und zu wenig an. Doch hat eineniedere Stirne allemal den Vorzug, wenn mandas Antique betrachtet, welches immer die schöneNatur, keinesweges aber den Eigensinn einesModegeistes nachahmt, welcher die Stirne höhermacht, als das ganze Gesicht.

§. 22.

Von den Augen und den Augenbraunen.

Es ist ein besondrer Kunstgriff der Natur inden menschlichen Augen, daß sie durch die Thrä-nen die Traurigkeit des Gemüthes, und durch dasLachen die Freude anzeigen. Die Natur hak dieAugen unter die Bogen der Augenbraunen gesetzt,damit sie gleichsam aus der Dunkelheit hervorbli-Hen, in die Herzen, so zu sagen, Pfeile abschies-sen, und zugleich die Führer und die Fackel allermenschlichen Handlungen vorstellen. Diese Be-trachtung könnte zu einer gelehrten Abhandlungund^u akademischen Gesprächen einen reichen undhauftgen Stoff abgeben, wovon der GegenstandE - wichtig