i2O H. Vott der Bildsäule des Laokoon.
Dieses einzige Denkmaal der höchsten grie-chischen Sculptur wurde vom Felix, einem rö-mischen Bürger, auf seinem Landgut im Jahr 1506unter dem Schutt und unter den Trümmern derBäder des Titus gefunden, ausgegraben, undauf große Kosten des Pabsts Julius Ik. ins Bel-vedere gebracht, allwo es unbeschadiget und ohneFehler, zur ewigen Bewunderung aller Kunstverrständigen heute noch pranget und ihnen deutlichzu erkennen giebt, daß es keine Arbeit aus denZeiten des Virgilius, sondern aus dem Iahrhun-derte sey, in welchem die Sculptur in ihrem höch-sten Flor gewesen ist. Kunsterfahrne Augen be-weisen mehr, als gelehrte Muthmaßungen, undbeobachten, daß die Statüe eine andre Zusam-mensetzung vorstellen würde, wenn die drey Grie-chen sie dem Sinne des Virgilius nachgemachthätten. Daß ein solches Werk betrachtungswür-dig sey, entscheiden alle Akademien. Jedochwas gehören nicht für Augen darzu, wenn manes mit Nutzen ansehn will?
Die kaiftrl. königl. Akademie der Malerey,Bildhauerkunst und Architektur zu Wien schätzt sichfür glückselig, einen solchen Schah zu besitzen.Ob er gleich nur von Gypö ist, so verherrlichet erdennoch den Kunstsaal durch seine dem Originalganz gleiche Größe eben so wohl, als dieses zuRom das Belvedere. Diejenigen, welche dieseStatüe zum Gegenstand ihres Fleißes erwählen,verlieren dadurch nichts, daß daran ein Sohn