Band 
[Theil II.]
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r22 il. Von der Bildsäule deö Laokoon.

zu sormiren, in einzelnen Statuen heraus zu brin-gen trachten; so erklärt sich die Ursache selbst da-durch, daß Laokoons Figur mit seinen Söhneneine Gruppe und Contrast mache, welcher die voneiner einzelnen Statüe weit übertrifft. Manwird auch nirgends etwas sonderbarers und voll-kommeners finden, als seine Wendung und Be-schaffenheit aller Glieder, und seine Verknüpfungmit den zwoen Nebenfiguren und Drachen.

Die Urheber dieses Werkes haben alle star-ke Ausdrücke in Laokoons Figur so sorgfältigund verwunderungswürdig angedeutet, und der«maaßen vorgestellt, daß die grausame Empfin-dung der Schmerzen nicht nur im ganzen Ange-sicht ausgebreitet erscheint, sondern auch alle an-dre Theile des ganzen keibes, bis auf die äußersteSpitze der Füße, wo sich die Zehen mit Gewalteinziehen, dieselbe zu erkennen geben.

Weil nun an dieser Statüe nichts zu finden ist,was nicht mit ausnehmender Kunst gemacht wäre;so muß ein jeder Kenner eingestehen, daß sie daswahre Muster und Augenmerk aller Maler undBildhauer seyn sollte.

Jedoch, sie müßten dieses große Kunststücknicht nur als ein bloßes Modell zum Zeichnen oderModelliren vor Augen haben; sondern es wäreauch zu wünschen, daß sie darinn alle Schönheitengenau in Acht zu nehmen, und in ihre Einbildungs-kraft eine Schilderey einzudrucken beflissen seyn

möchten.