i6o V.Elysium über die Nachahmungskunst,
olles übrige. WirItaliancr nennen ritrattare,was die Deutschen nachahmen heißen, bey denFranzosen aber portrsire oder taire Portrait be-deutet ; daher könnte man uns Künstler Nachah-mer der Natur nennen. Ein Gemälde, welcheseine bekannte Person, oder andre Sachen vorstellt,wird bey den Deutschen ein Bild, oder Bild niß,ein Abriß, eine Abschilderung oder Abbildunggenennt, und wenn es gleich nur Windspiele oderPferde waren.
Apelles. Ich hörte aber von nichts, alsvon Menschengesichtern reden, gleich als wennsonst nichts mehr in der Welt wäre, und sie dieKunst allein unterhalten hätten.
Tirian. Dieses sind Maler, welche keineeigene, sondern nur fremde Gedanken im Sinnehaben; sie borgen solche von andern, welche ebenwie sie, von der Malerkunst ganz und gar nichts ver-stehen, und die dennoch bereit sind, vielen Malern inihrer Bedürfniß zu Hülfe zu kommen. DergleichenLeute brauchen ihren Pinsel zu allem, was man vonihnen verlangt. Da nun der größeste Theil derMenschen von der Malerkunst wenig oder nichts ver-sieht; so glaubt er auch, ihre ganze Macht erstreckesich nicht weiter, als über die Fläche eines Angesichts,welches sie zufälliger Weise erblickt hatten. Sieempfanden einen heimlichen KüHel, sich selbst auchalso abgebildet zu sehen. Der Wunsch breitetesich aus; die Maler eilten herbey; sammeltenBelohnungen, und ihre Arbeit wurde dermaaßen