Z62 IX. Kürze Geschichte einiger Maler
schauer anreden wollte. Der Bruder Wilhelmdella Porta hat also nicht nur dem Michel-agnolo ein Genügen geleistet, und das Antiqueübertreffen, sondern auch durch seine Kunst sichunsterblich gemacht.
In den Zimmern des mediceischen Gartenszu Rom sieht man einen kleinen, antiquen und soschönen Apollo, gemeiniglich Upollino genannt,daß die Bildhauerkunst selbst sich daran ergötzet,auch nicht wahrnimmt, was viele daran bedau-renswürdig gefunden zu haben glauben. DieseAntiquitatenforscher berichten uns, dieser kleineApollo, welcher den rechten Arm über das Hauptlegt, den linken aber auf einen Stock steif halt,sey ganz versiimmelt gefunden worden. Sie sa-gen, der linke Arm und die Füsse,wären von einemmodernen Künstler angestückt worden. Da nun alleKünstler und Kenner diese antique Statue bewun,dem, und von gedachter Verstimmelung keineSpur finden, so wird man überzeugt, daß, wennsolche Ergänzung in der That gemacht wordenseyn soll, dieselbe von niemand anders habe kön-nen vollbracht worden seyn, als von unserm Bru-der Wilhelm. Die Statue ist so vollkommen,daß kein Auge nicht das geringste Moderne darangewahr wird. Das Haupt ist von der schönstengriechischen Art, die Stellung und Wendung desLeibes ungemein leicht, frey und ungezwungen;alle Gliedmaaßen und ihre Conkraste sind von son-derbar ausgesuchtem Geschmack, und reizen die
Kunst.