Band 
[Theil II.]
JPEG-Download
 

414 XU» Die Architektur.

abgenommen, und, anstatt dem gesunden, guten,vollkommenen Geschmacke nachzustreben, laste mansich durch den Reiz der Neuigkeit verführen. Sieseufzen, daß man sich kein Gewissen daraus mache,das Gute zu verachten, und nur eigensinnigen,ungeschickten und verwerflichen Erfindungen nach.zuarbeiten. Wahre Kenner und Verehrer derArchitectur gerathen dabey in den äußersten Ver-druß, daß viele Neugierigen die Zeit nicht er-warten können, die das Antique und Erhabeneder Kunst allhier vernichten soll, sondern so garihren Untergang zu beschleunigen, mit aller Aem-sigkeit und vielen Kosten bemüht sind. Mankönnte mit dem Verzeichnisse der bereits in Ita-lien und allhier schon verheerten guten Gebäudeneinen ganzen Band anfüllen.

Die großen Namen, der unaufhörliche Ruhm,das allgemeine Wohlgefallen; sind in Italien nichtmehr vermögend gewesen, sich der gewaltsamenZerstörung der vortrefflichsten Gebäude zu wider-stehen. Kann man gelehrtere Männer und grös-sere Architecten in der Welt nennen, als denMichelagnolo Bonarotti, und Leon BattistaAlbert! ? und dennoch haben einige ihrer Werkeund Anordnungen weichen und der Unwissen-heit Plah machen müssen. In solchen Umstän-den befand sich die Architectur oftmals zu Rom.

Hat das Verhängniß schon allhier, wo doch soviele fremde und die berühmtesten Architecten ihreKunst heute noch zu lernen trachten, wider dieselbe

so