XU. Die ArchiLectur. 415
so wunderbar gewütet; wie wird es mit ihr erstin Deutschland aussehen? Sind etwan neueBd-narotte und Alberte aufgestanden, oder ist dieErsindfamkeit in eurem Bauwesen höher gestie-gen?
Fürsten und andre große Bauherren studirendiese Kunst gemeiniglich nicht; sie lasten alles aufdem Vorurtheil und Geschmack ihrer Stein- undMauerverständigen Meister beruhen. Dieseneröffnen sie ihre Meynung, welche meistentheilsauf ein Gerathewohl erfüllt wird. In Italienläßt man große Gebäude durch geprüfte, vorneh-me und ruhmvolle Professoren um die Wettezeichnen, entwerfen oder modelliren. Man un-tersucht und verbessert ihre Gedanken, und be-schließt endlich durch einstimmigen Rath der ge-schicktesten Männer das Vornehmen, und führtes endlich aus. Ein solcher Baumeister aber,der keine Wahl zu treffen weis, vermeidet so vielGepränge, und anstatt die Lage, den Platz, oderdie Gegend durch eine ganze Versammlung vonGelehrten und Künstlern untersuchen zu lassen,schickt er seinen Lieblingsmaurer fort, den unge-fähr ausgekochten Grundriß auszustecken. Die-ser ehrliche Mann, der zwar sein Handwerk, je-doch nichts von Ost, West, Nord oder Süd ver-steht, erfüllt seine Schuldigkeit. Der Eigen-dünkel ist seine Richtschnur, die ihn keinen Punktverfehlen laßt. Er kehrt aber bald zum Meisterzurück, ihm anzudeuten, daß im Grundrisse viele
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