42) XU. Die Architektur.
Wer kann aber solche Leute überführen undsie überz- ug,n, daß die Geometrie, welche so zusagen der Probierstein der Vernunft ist, einemArchitecten unentbehrlich sey? sie haben entwedernicht Zeit darzu, oder diese Kunst erfordert allzuviel Nachsinnen. Was ist also zu thun?
Täglich äußern sich Umstände, in welchen derArchitect die Mechanik, das Wasserbauwesen,die Optik, Perspectivkunst und andre von derGeometrie unterstützten Wissenschaften vonnöthenhat. Es sind zum Beyspiel große Lasten zu be-wegen, zu heben, zu versetzen, aufzurichten, auch,so schwer sie immer seyn mögen, auf unschicklichenStellen zu bevestigen. Es werden sich unver.meidliche Umstände zeigen, bey welchen der Ar.chitect seinen Namen der Gefahr aussetzen, unddem Bauherrn großen Schaden verursachen kann,dergleichen Fälle viele bekannt sind.
Ohne große Fähigkeit, Einsicht und Erfind,samkeit wird man auch in der bequemen Einthei.lung eines Gebäudes nicht weit kommen. Einkluger Kopf aber wird sich bey so vielerlei) Anord-nungen wohl vorsehen, daß es ihm leicht fällt,die gemächlichste, schönste und beste zu wählen.
Dieser Theil der Baukunst, nämlich, dieEinkheilung eines Gebäudes, kann füglich mit demSchachspiel verglichen werden, in welchem nurmehrentheils derjenige gewinnt, welcher mehr,als der Gegner, Vernunft besitzt, folglich mehr
Ver-