XU. Die Architvctur. 441
oder kenne, mithin sich würdige, sie seiner Ach-tung werth zu schätzen.
Man stelle sich einmal ein gemeines Hand-werk vor, welches nach keinen Grundsätzen ge-lernt, und, so zu sagen, nur zufälliger Weise ge-trieben wird, so wird man gewahr werden, daßes nothwendig in kurzer Zeit abnehmen und end-lich sich gar verlieren muß, wovon wir Beyspielegenug vor Augen haben.
§. 6 .
Diese Gedanken, die mir ungefähr in denSinn gekommen sind, berühren Gegenstände,welche, wie es mich dünkt, manchem Anfängerder Kunst zu einigem guten Unterricht dienenkönnen. Allein, eine gewisse Sache habe ich mitStillschweigen Übergängen, weil ich sie für allzubekannt und gemein hielt, als daß ich sie nicht fürüberflüßig hätte ansehen sollen.
Ein jeder Künstler muß das Ziel und Endeseiner Arbeit wissen, und die Absicht seiner Kunstbegreifen. Er muß die Ursache seiner Bemü-hung vor Augen haben, damit er sich darnachrichten könne. Wer sollte sich wohl vorstellen,daß dieses einem Architekten oder Baumeisterunbewußt seyn könnte? Und dennoch finde ichdergleichen hauptsächlich in dem Theile der Vor-zierung eines Gebäudes. Denn viele Baumei-ster, welche Thüren, Thore, Fenster und andre,Stücke einer Kirche, oder eines Palastes verherr-
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