XU. Die Archilectur. 441
dungSkraft des Anschauers so plötzlich und ange-nehm überrascht wird? Ist es die schöne Ord.nung der Colonnen, oder der Giebel, und dasHauptgesimse; sind es die Hauptbalken, der Fricfiund der Karnies, die darauf ruhen? denn innichts, als in diesen beyden Dingen, besteht dasganze verwunderungswürdige Wesen dieser Ar-chitectur. Will man also einem kurzen Nach-sinnen Platz geben, so nimmr man wahr, daßalles zusammen niäW anders sey, als ein Dach,welches den Regen aufhalten soll. Eine so großegedeckte Hütte oder Scheune erforderte nun eineUnterstützung von vielen Pfeilern. Auf dieseWeise erreichte man die vorgehabte Absicht, unddie Architektur erlangte ihren Endzweck. Je-doch wird man es hier ganz leicht begreifen, daßein solches Dachwerk vor dem verehrungswürdigrsten Tempel aller Gottheiten der Römer ein rau-hes, grobes, bäurisches und plumpes Gebäudegewesen wäre; alles würde einer Scheune odereinem Stalle gleich gesehen haben, wenn einemso verächtlichen, unanständigen und bäurischenBalken und Dachbau nicht durch vernünftige re-gelmäßige Verzierungen zu Hülfe gekommenwäre, und die Architektur ihre Kunst angewen-det hätte, die groben Stützen oder Baumstämmein so viel schöne Colonnen zu verwandeln, undden Anblick des abscheulichen Daches mit jenemvortrefflichen Giebel, Kranz und Hauptgesimsezu bedecken. Dieses alles sind Sachen, welchezur Verwunderung Anlaß geben. Plmius be-stätiget