Band 
[Theil II.]
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XII. Die Architektur. 449

erfordern; welches alles man, wie ich oben schonerwähnt habe, in zwey Kapitel zusammen ziehenkann, nämlich: in die Geometrie, oder die Grös-senlehre und ihre Theile, als da sind, die mechani-schen Künste; die Mäßkunst wegen der Anlage _und Austheilnng; die Bewegungskunst wegen derGerüste und des Hebezeuges; die Skeinhauereywegen der Gewölber, Treppen, Geländer u. s. f.Das zweyte und Hauptkapitel aber ist die Zeich-nungskunst, an welche man aber so vorzüglich undleicht gewöhnt seyn muß, daß man darinn einenLehrer der Malerey und Sculptur abgeben i önnte.Wer diese allein versteht, kann füglicher und bil-liger ein Architect genennk werden, als jener, dersich nur in obigen Künsten des ersten Kapitels übt.Unterdessen ist dieses eine ausgemachte Wahrheit,daß dieser und jener zwar ein Archstect heißenkönne, solchen Namen aber nicht mit Recht ver-diene.

Die unwidersprechliche Folgerung ist nun end-lich gegründet, daß der Baumeister die Archi«tectur nicht studirt, sondern nur ausübt, und der-jenige kein Baumeister ist, welcher die Archite-ktur studirt, und sie nicht in Uebung bringt, mit-hin ist die Architektur keine abnehmende oder ver-fallende, sondern eine Verlorne Kunst. Es giebtgewisse Schriftsteller, welche sich nicht lange be-sinnen, schlechtweg zu behaupten, daß die moder-nen Architekten von den Zeiten der Alten bis hie-her noch keine Gattung von Verzierungen habenII. Band. Ff ersin-