454 Xw. Von der Verzierung
gesetzt werden. Die Aegypter verfertigten ihreStaküen auf eine solche Art; die Griechen abersiengen schon an, ihren Bildern eine Bewegungbeyzubringen, sie mußten anständig stehn odersitzen, wie derborghesische Fechter und Bellisarius.Endlich erfanven sie Regeln, denenselben nacür.liche, ungezwungene, und so gar nach allen Leiden,schaften ausgedruckte Stellungen zu geben, wieAntinous, Apollo und andre. Sie suchten das-jenige, was der Symmetrie entgegen war, näm-lich das Unebenmaaß oder den Conkrast. Wennalso der Kopf seitwärts sieht, und die Achsel, ge.gen die er sich wendet, erhaben, die Brust her-aus, die Hüfte gewendet, und der Leib gebogenist; so muß das Bein vorwärts, der eine Armauf der Seite dieses Beins zurück', der andre hin-gegen vorwärts gerichtet seyn,jedoch solchergestalt,daß die Linie des Gleichgewichts allezeit auf denGrund des Bildes fällt, und dieses niemals ausihrem senkrechten Ziele kömmt. In einer solchenStatüe herrschet durchaus eine Ungleichheit derleiten, welche das Gegentheil der Symmetrieist, und deswegen gefällt die Stellung Jedermann.Kommen nun andre Nebendinge und Bilder da.zu, so muß das, was in seinem ganzen Umrißauf der einen Seite in waagerechter Linie vor.tritt, auf der andern Hineintreten, und so vornFuß bis auf den Kopf abwechseln; wozu dann dieNebengerathe vorzügliche Hülfe leisten.
Aus dieser Quelle haben nun viele Künstlergeschöpft, und endlich alles so weit übertrieben,
daß