456 XU!. Von der Verzierung
Kragsteinen und Simsen stehende und sitzendeFiguren, die alle Augenblicke herunter zu fallenschienen. Man erstaunt, wenn man auf dieFüße der größesten Colonnen hinsieht, das Augenach und nach in die Höhe spazieren läßt, undanstatt allda ein herrliches Capital, ein Gesims,Frieß, oder ein schönes Karnies zu erblicken, voneinem Blumenkrug überrascht wird. Diejeni-gen Säulen, welche eine ganze Kuppel tragenkönnten und sollten, stehen nur deswegen da, ei-nige Gartengewächse zu unterstützen, -und so garunter einem Gewölbe frey und müßig ihren an-sehnlichen Stamm zu zeigen, oder zuzusehen, wiedie Pfeiler neben ihnen sich scheuen, über einan-der ebenmäßig zu steigen. Man ist weit ent.fernt, dem Rufe großer und geschickter Baumei-ster einigen Nachtheil zufügen zu wollen, derenTalente bekannt sind, und deren ausgebreiteterRuhm uns erfreut. Es scheint aber fast, daßviele andre manchmal gereizt werden, neuen Gril-len Platz zu machen, und alles zu fliehen, wasNatur, Kunst, Vernunft, Ordnung, Ebenmaaßynd gründlicher Fleiß genennet wird.
Möchten sich doch die Baumeister und Bau.Herren endlich einmal überführen lassen, daß dieGebäude weit edler aufgeführt werden könnten,wenn man sie gar nicht, oder doch so wenig, alsmöglich verzierte. Denn sie haben an sich schonihre wesentliche Schönheit, und bedürfen keinerfremden Hülfe. Wie viel prächtiger wäre man-cher