Band 
[Theil II.]
JPEG-Download
 

474 Anhang. II. Abhandl. v. Mauergemalden

Farben, verwahrlosten Zeichnungen, oft aben.theuerlichen Concrasten, und ungefähr manierir-ten Tinten befriedigen. Sollte es nicht möglichseyn, dergleichen irrenden, jedoch dabey amsigenKünstlern den rechten Weg zu zeigen, und ihrerBemühung, wenn ihr Vorurtheil sie nicht ganz.lich verstockt macht, ein wenig zu Hülfe kommen?Ich will hier einen Versuch machen; denn sokurz und unvollständig auch meine Erinnerungenseyn werden; so viel Nutzen können sie vielleichtdennoch verschaffen. Eine Anweisung hat oftmehr ausgerichtet, als ein weitläuftiger gelehrterUnterricht.

Ein jeder, auch mittelmäßiger Maler wird,glaube ich, gehört haben, daß es zweyerley Far-ben zum Malen giebt: die natürlichen, minerali-schen oder Erdfarben; und jene, so durch Kunstzubereitet werden. Man pflegt alle entwedermit reinem, oder Leimwasser, oder mit Oel zumischen. Malt man mit Wasser auf frisch an-gelegten Kalk, so heißet es Frescomalen. MitLeim aber malt man auf trockenem Grunde. Mitden Oelfarben sind alle Maler bekannt.

Bey diesem Unterschiede hat nun die Erfah-rung alle Künstler gelehrt, daß auf nassen Kalkzu malen, die durch Kunst zubereiteten Farbengefährlich und nicht rathsam sind. Man kannsie durch allerhand Vortheile und Geheimnisseniemals oder schwerlich so dauerhaft machen, daßsie der freyen Lust lange widerstehen. Wenn

das