Band 
[Theil II.]
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ZO2 Anhang, m. Der Kenner der Kunst

reu zween Maler von ausnehmender Starke undEeschicklichke^t, so entstünde die Frage nicht, wel-cher besser sey? weil sie beyde gut sind; sondernman würde fragen, welcher witziger, vernünf-tiger und listiger nachahme und male?

Der Pinsel, die Farben, Zeichnung, ja dieNatur selbst ist beyden bekannt. Würde nun die-sen Künstlern ein Gegenstand zur Nachahmungangeordnet; die Stücke befanden sich endlich vorden Augen der Kenner; diese wären einstimmig,Laß sie die Natur vollkommen getroffen und dieKunst erschöpft hatten; so würde die Frage nichtentstehen, wo die Kunst am vorzüglichsten herr-sche, sondern über welches Stück die Vernunftsich mehr, als über das andre, erfreuen müsse?Dein Gespräche, versetzte ich, ist so räthselhaft,daß ich'es nicht begreife.

Ich setze den Fall, fuhr er fort, unsre be-kannte liebenswürdige Laura sollte von zweengleichstarken Malern abgebildet werden. Istes nicht wahr, daß beyde sie mit ihrem reizenden,jedoch immer halb offnen Munde schildern wür-den ? Sie gaben sich Mühe, die Abbildung wieRaphael und Gmlio Romano zu verfertigen,welche noch heute in der Barberinischen Gallertezu Rom zur Verwunderung aller Künstler vor-handen und ewig bleiben wird. Es ist dir be-kannt, daß Laura die Lippen fast niemals zu schlies-sen pflegt, sondern meistens gleichsam in Gedan-ken den Mund ein wenig öffnet.

Was