Band 
[Theil II.]
JPEG-Download
 

und deutscher Maler. 5 z i

Die Natur war die Lehrmeisterinn der Grie-chen, und eben so, sagt man, konnten auch dieDeutschen von ihr sich unterrichten lassen. DerSatz ist unwidersprechlich, und könnte allen Künst-lern zur Lehre dienen. Ja! die Deutschen stu-dirten die Natur; allein sie ist nicht an allen Or-ten die schöne und auf gleiche Art sichtbareNatur.

Die griechische Kleidung ist griechisch, undläßt die Natursehen. Deutsche Kleidungen ver-bergen sie sorgfältig. Erziehung, Gebrauche,Tugend und Ausgelassenheit; Hitze, Regen, Frostund Winde sind die Ursache verschiedener Kleider-trachten. Die Lage der Lander macht den Unter-schied des Gewandes. Die Römer ahmten denGriechen nach. Die alten Celten bedeckten sichmit Viehhäuten und allerhand Fellen. Die Grie-chen waren oft nackend, und wurden dadurch Bild-hauer und Maler, die alten Germanier hingegenabgehärtete wilde Krieger. Endlich kam dieUeppigkeit, und die Lust zum Staate; dieserschnitt ihnen das Gewand zu, als wenn sie dieForm ihres Körpers verbessern und ansehnlichermachen wollten.

In solchen Umständen kam es niemanden inden Sinn, die schöne Natur eines menschlichenLeibes, das Verhältniß seiner Theile, die Lage,die Bewegung, die Umrisse der Muskeln, die er«habene Schönheit nur obenhin zu beobachten.

Ll 2.

Die