Von dem Postregal. 155
mächtigen Reichsstände in dasigen Gegenden fiengenaso an, das Post-Regal selbst auszuüben, und dasHaus Taxis von der Errichtung der Posten in ihrenLanden abzuhalten. Dahero ist es geschehen, daß fastin ganz Niederdeutschland die Landesherren das Post-regal entweder privat,vo besitzen, oder doch nur demGeneral-Reichs-Postamte die reutenden Posten aufeinigen Routen, die vorher von dem Hause Taxis an-geleget gewesen waren, verstatten; zu welchem Endeman mit besagtem Hause verschiedene Recejse undVerträge errichtet hat. Auch in Oberdeutschlandwurde man auf dieses Regal aufmerksamer; und dieReichsstände fiengen an, neben den toxischen Postenin ihren Landen, ihre eigenen anzulegen. Besondersbedieneten sich einige Landesherren ihres Post-Regalsin Ansehung der fahrenden Posten, weil die anfangsvon dem Hause Taxis angelegten Posten, bloß reu-tende waren. Jedoch viele Reichsstände, deren Ge-biethe entweder klein, oder mit andern Territoriis unter-mischet war, oder die sonst aus verschiedenem Betrachtdiese geänderten Grundsätze nicht annehmen wollten,ließen das Haus Taxis in ungestörtem Genusse diesesRechtes, dergestalt, daß es sowohl fahrende als reu-lende Posten nach Gefallen anlegen konnte; undgleichwie die Posteinkünfte in einem kleinen Lande oh-nedem nicht viel betragen; so waren die kleinernReichsstände so wenig aufmerksam auf dieses Recht,daß sie auch andere benachbarte mächtigere Reichs-stande in ihrem Gebiethe Posten anlegen ließen *).
*) Überhaupt zweifele ich fast, daß das Postregal fürkleine Reichsstände eine schickliche Sache ist. Esist eine sehr wichtige Anstalt, die nicht allein einegroße Erstreckung erfordert, wenn sie Nutzen abwer»fen soll; sondern worzu auch vielerley Vertrage undReccsse mit andern Staaten nöthig sind, und die mit-hin mit schlechtem Vortheile zu Stande kommen,wenn der Reichsstand nicht genügsames Ansehen hat.
Sind