Buch 
Streifzug durch das östliche Ligurien, Elba, die Ostküste Siciliens, und Malta, zunächst in Bezug auf Pflanzenkunde im Sommer 1826 unternommen / von S. Brunner
Entstehung
JPEG-Download
 

105

freylich der schroff und fast senkrecht ins Meer HinuntersteigendeFels, worauf das Städtchen Scilla liegt, kein sehr schicklicherLandungsplatz, und Scheitern allerdings unter die möglichenDinge zu zählen.

In der Meerenge von Messtna herrscht eine beständigeStrömung in entgegengesetzter Richtung, welche nach einerregelmäßigen Ordnung während 6 Stunden nach Norden undalsdann eben so lang nach Süden statt findet. Nur mit ganzgünstigem Winde kann ein Kauffahrteyschiff gegen sie ein - oderauskaufen und muß sich sonst bequemen, am Ausgange desKanals auf die rückkehrende Strömung zu warten.*) Ist aberder Wind conträr und die Strömung gerade die günstige, soläßt sich, mit eingezogenen Segeln, ganz sanft und gelassenwie auf einem breiten Flusse bis Messina gelangen. Wir tra-fen es gerade zur Fluth, d. h. zum Nordwärtsströmen, durch-schnitten aber dennoch, unter Begünstigung des stets anhal-tenden frischen Nordwestes, die kräuselnden Gewässer derCharybdis, welche schon so Manchem Furcht und Schreck ein-gejagt, und schauten mit ruhigem Blicke hinab in die brau-senden Wogen, deren Ohnmacht sich am Bauche unseresSchiffes brach. Welcher Verehrer Schillers denkt hier nichtan seinen herrlichen Taucher! Wie mir der Capitän sagte,soll der Strom eine Schnelligkeit von 2 — 5 Miglien in derStunde haben, zur Winterszeit aber mitunter mehr betragen.Gerne hätte ich sie mittelst des Rheometers genauer bestimmtohne den sich sogleich aufdrängenden Gedanken, daß ja diewir unbekannte Schnelligkeits-Bewegung des Schiffes selbstdurchaus kein reines Resultat gestatten könne. Mein festerEntschluß war es zwar, während meines Aufenthaltes inMessina mit dem Capitän eine Barke zu miethen, um jene

»1 Wahrscheinlich bat tle Borch (lettres s. la Sicile et MalteVol. I. pag. 43.) seinen Schiffspatron unrecht verstanden,wenn er behauptet, man muffe, ohne aus den Wind zu rechnen,die südliche Strömung immer erwarten, um in der Meerenge' einlaufen zu können.