152 Geschichte von Frankreich
in der Geschichte der Mutter und des Sohns, daß der König ihm rief und zu ihm sag«te: „Mein Herr Bischof von Lüftn, ich weis, daß Sie keimn Theil an den bösen„ Rathschlägen des Marschals von Ancre gehabt, und daß Sie mich jederzeit geliebt„ haben; Ich bin also entschloßt», mit Ihnen gütig zu v rfahrcn.
Lüynes, der damals bey dem Könige war, nahm hierauf das Wort und sagteöffentlich , es wäre dem Könige nicht unbewußt, daß der Bischof von Lüftn sich oftmit dem Marfchal von Ancre verschiedener Ursachen wegen entzwcyet, welche die Per«son Sr. Majestät angiengen, und daß er öfter als einmal bey der Königin Mutier umErlaubniß angehalten, sich zu entfernen, weil er sich mit dem Marfchal nicht Vectra«gen konnte.
Der Bischof antwortete, er hätte zwar die Aufführung des Marschals von An,cre jederzeit gemißbiüiget; Er wäre ihm aber die Gerechtigkeit schuldig, zu sagen, daß erniemals gewußt, daß er eine böse Gesinnung gegen die Person des Königes, noch ck«Nige Absicht, die feinem Dienst gerade zu entgegen lieft, hegte ; wenn er dergleichengehabt hätte, so waren sie ihm nicht bekannt gewesen. Was die Königin Mutter an«belangte, so müßte er allerdings ihre Gütigkeir gegen ihn rühmen, und er hätte ein«zig und allein deßwegen um seine Erlaßung bey ihr angehalten, damit er dem Argwohnund den Verläumdungen des Marschals von Ancre nicht ausgesetzt wäre; übrigenshätten Mangot und Barbtn jederzeit einerley Gesinnungen mir ihm gehabt.
Er näherte sich hierauf dem Herrn von LüyneS, um insbesondere mir ihm zusprechen. Er erhielt von ihm tausend Merkmahle der Freundschaft, welche er mitgroßen Versicherungen der Erkänntiichkeit und Ergebenheit erwiederte. Er wagte esso gar, eine dringende Fürbitte für Barbin einzulegen, dcßen gute Eigenschaften ersehr rühmte: Aber Lüynes gab durch seine Geberden und Gesicht zu erkennen , daß ihmdiese Rede nicht gefiele. Dcr Bischof unterließ nicht, ihm zu sagen, er würde sich einallgemeines Lob erwerben, wenn er Barbin mir unangenehmen Begegnungen ver-scho«nete, die er nicht verdienet hätte. Um GOues willen, sagte Lüynes, laßenSie sich nicht damit ein, daß Sie zu seinem Vortheil reoen, der König würdees sehr übel aufnehmen : sondern gehen Sie hin, wo die Herren Staatsrächeversammlet sind, damit ein jeeer den Unterschied sehe, den der König macht zwi-schen denen, die Ihnen ähnlich sind, und den andern Ministern, welche mit Ih-nen in den Staatsgeschüften gebraucht wurden. Er setzte hierauf hinzu: Es mußSie jemand hinführen, denn sonst würde man Sie nickt hinein la<en. Aledan«rüste er den Herrn von Vignoles unv trug ihm auf, den Bischof von Lüftn zu beglei«ten und den Herren Staareräkhen zu sagen, daß der König ihm befohlen hätte, ihrerVersammlung beywohnen, und daß Se. Majestät wollte, daß man ihn dabey sollteaufnehmen.
Richelieu überlegte bey sich selbst, ob er diese Ehre annehmen sollte. Er sahevoraus, daß man nicht unterlaßen würde zu sagen, eine solche Gnade könnte nichtsanders, als die B lohnung einer Verrärhercy seyn. Allein da er sicher glaubte, erkönnte durch das Verhalten, so er in Absicht auf die Königin Mutter zu beobachtenrntschloßen war, diesen schändlichen Verdacht gänzlich zunichte machen: so hielt er nichtfür erforderlich, diesen günstigen Augenblick, den das Glück ihm aufbehalten zu habe»schiene, zu versäumen.
Ehe er sich dem Herrn von Lüynes empfahl, so fragte er ihn, ob man ihm nichterlauben würde, zur Königin Mutter zu gehen, und versicherte, wenn man ihm dieses
gestal,