164. Geschichte von Frankreich
- Gemahl!« sich ihres außerordentlichen 'Ansehens und ihrer Gewalt bedienten, umdie größten Pachten der Königreichs um einen niedrigen Preis zu überlasten, widerden Willen des Rathes; daß sie machten, daß man den Pachtern unermeßliche undgänzlich ungerechte Abzüge und Entschädigungen, die man ihnen nicht schuldigwar / zugestünde, ohne einige Ursache, außer daß ein Theil des Geldes in ihrenBeutel siele ; daß sie für sich selbst Befehle an die Rentkammer, wegen baarer Aus,Zahlung der in selbigen benannten Summen, auswürkten, um ihre Dieberenen bcßerzu verbergen, und daß endlich ein großer Theil der Schatze, die der verstorbene Kö-nig hinterlaß«« hatte, zum Raub ihres Gcitzeö geworden wäre. ,
Man brachte sogar in Vorschlag, man sollte die Marschallln, während daß sieim Gefängniß war, nöthigen, eine Vollmacht auszustellen, um das Geld, so sie nachRom geschickt hatte, wieder zurückkommen zu laßen : Aber dieser Vorschlag wurdeverworfen. Erstlich weil der König nicht wollte, daß man ihre Güter angriefe, ehees rechtlich entschieden wäre, daß sie derselben verlustig seyn sollte. Zwcyrens, weilman nicht glaubte, daß es einem großen Könige anständig wäre , sich eines solchenMittels zu bedienen, um dasjenige wieder zu bekommen, was ihm gehöret?, dieweilek, wenn der Ausfpruch gemacht worden, daß sie ihme zustünden, allezeit mächtiggenug seyn würde, um die Wiedergabe derselben zu erhalten -
Die Marfchallin von Ancre vertheidigte sich wegen aller dieser Puncte mit vielerSündhaftigkeit und Gegenwart des Geistes. Seit einigen Monaten wurde sie dergestaltvon Mutrerbeschwehrungen gequält, daß es schiene, als wenn sie darüber von Sinnen käme.Sie kam wieder zu sich, als sie in Gefahr war. Sie verachtete die Anklage wegender Zauberey, als ein Hirngespinst, und als man sie fragte, was für eines Zauber-werks sie sich bedient hätte, um die Königin Mutter so weit zu verführen, daß sie sel-bige zu allem, was sie wollte, bereden konnte, so antwortete sie, wie man vorgiebt:Keines andern Zauberwerks, als der Gewalt, die ein starker Geist je crzeir übereinen schwachen hat. Sie sagte manchmal, die Königin Mutter hätte so wenig Ver-stand , daß man keiner Hexeren nöthig hätte, um sie zu beherrschen. Es ist gewiß,daß sie zurZeit ihrer Gunst, oft mit Verachtung von ihr redete; wenn sie mit ihr nichtzufrieden war, so fuhr sie im Zorn wider sie auf, so gar, daß sie selbige undankbar undbarbarisch hieße ; und wenn sie unter ihren Freundinnen war , so nennte sie diesel-be nicht änderst, als cerre balourcle, diese Tumme.
Als man sie fragte, woher die großen Reichthümer kämen, welche sie in sokurzer Zeit gesammlct hatte, so antwortete sie; sie hätte dieselben von der KöniginMutter bekommen, welche ausdrücklich ihre Einwilligung zu allem dem, was sie ansich gebracht, gegeben hätte; es wäre diese Einwilligung so offenbar gewesen,daß niemand daran zweifeln konnte, und sie wäre hinlänglich, um sie vor aller Unter-suchung und vor allen Vorwürfen in Sicherheit zu setzen, weil die Königin Mutterdie höchste Gewalt in Händ n hatte und mit allen Einkünften des Staats nach ihremBelieben schaltete und waltete. Allein diese Antwort schiene den meisten Richternnicht hinlänglich, und dke Marfchallin erfuhr, daß man das Vertrauen der Fürstendergestalt mißbrauchen kann, daß auch ss gar ihre Gewalt, zumal wenn sie selbigevrrliehren , nicht hinreicht, um solchen Mißbrauch zu verdecken.
Andere
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