Band 
Zwölfter Theil. Vom Jahre 1610-1630.
Entstehung
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unter der Regierung Ludwigs xrn. 171

seiner Erkenntlichkeit. Als er aber im Monat März erfuhr, daß Heinrich vonGon,

dy, Bischof von Paris, den Cardinalöhut, auf Ernennung des Königes in Frank, l6l8»

reich, erhalten hatte, so hielt er sich nicht mehr in den Schranken der Mäßigung, und

überwarf sich öffentlich mit dem Günstling. Diese Ernennung war seit mehr, als

zehn Jahren, dem Erzbischof von Toulouse, drittem Sohn des Herzogs vonEpec,

non, von dem verstorbenen König versprochen worden, und die Königin Mutter hatte

diese Versprechung mehr, als einmal, bestätiget; aber Lüynes achtere nicht darauf.

Der Herzog von Epcrnon befchwehrke sich darüber auf eine sehr trotzige Art, und ersuchte alle mögliche Mittel, dem Herrn von Lüynes Verdruß anzuthun. In dieser undAbsicht erneuerte er wieder einen alten Streit, den die Herzoge und der Sicgclbewah, ^ Stegelbe»rer wegen des Vorrangs mit einander hatten. Dieser gieng ihnen in dem Staatöra- wahrer?,the und bey öffentlichem Gepränge vor. Der Herzog von Epcrnon und die andernHerzoge hatten sich öfter, als einmal, darüber beschwchrt: Aber der Herr dü Vair hat,

1e sich beständig in dem Range erhalten, den man ihm streitig machte. Der Herrvon Lüynes war dem Siegelbewahrer sehr günstig, und der Herzog von Epernonwußte wohl, daß er ihn nicht empfindlicher kränken könnte, als wenn er dieser Ma,gistratsperson einen vcrdrüßlichen Handel machte.

Er ließ alle Herzoge in seinem Hause zusammen kommen , und gab ihnen eingroßes Mittagsmahl, bey welchem nur der einzige Herzog von Montbason sich nichteinfinden wollte, um den Herrn von Lüynes, seinen Eidam, nicht zu beleidigenDer Herzog von Epernon stellte ihnen vor, es wäre eine Schande, daß sie sich ihrenRang von einer Magistratsperson entziehen ließen, so nicht einmal die Würde einesKanzlers hätte, sondern nur einen Theil der Verrichtungen deßelben besorgte. Siebeschloßen alle, den König zu bitten, daß er ihnen ihre Stellen wieder einräumenließe, und man wurde einig, daß der Herzog von Montmorenci das Wort führen sollte.

Tags darauf, den neunzehnden April, als der König in dem Staatsrathe war-sagte der Herzog von Montmorenci zu ihm : Sire, es l>r uns sehr leiv, daß wirEurer Majestät unsere schuldigen Dienste in Dero Staatsrath nicht leisten kön,nen, weil der Herr Siegelbewahrer unsern Platz eingenommen hat, und unshierdurch verhindert, daß wir uns dabey nicht einfinden können. So führet derGeschichtschreiber Matthieu den Vertrag des Herzogs von Montmorenci an: Aber düChesne beruft sich auf eine von dü Vair eigenhändig geschriebene Erzählung, worin,nen man siehet, daß der Herzog von Montmorenci nur blos zu dem Könige sagte, daßer Se. Majestät, im Namen aller Herzoge, unterthänig bäte, ihnen den Rang zugeben, der ihnen in dem S.aatsrathe gehörete. Dü Vair fügt hinzu, da er durchdieses allgemeine Ansuchen nicht namentlich wäre angegriffen worden, so habe er fürrathsam gehalten, ein tiefes Stillschweigen zu beobachten.

Der Herzog von Epernon nahm alsobald das Wort und sagte, der Siegelbe,wahrer hätte sich eines Platzes, der ihm nicht gehörete, unrechtmäßiger Weise ange,maßet; er wäre keineswegs gesonnen, seine Person anzugreifen, deren Vorzüge undTugend ihm bekannt wären; aber sein Amt gäbe ihm kein Recht, den Herzogen vor,zugehen ; es hätten es andere vor ihm bekleidet, ohne den Rang zu besitzen, den erhätte; weder er, noch die andern Herzoge könnten mit Ehren eine solche Veränderungleiden; weil der Herr dü Vair für einen großen Liebhaber der Gerechtigkeit angesehenseyn wollte, so sollte er den Anfang damit machen, daß er sie an sich selbst ausübte;

(P) 2 er

229 Oucbesoe lull. äes cbancelierr, p. 725 .