unter der Regierung Ludwigs xm. r8 l
des folgenden Jahrs sollte aufgeschoben werden. Der Herzog erhielte von Zeit zuZeit Briefe von der Königin Mutter , mir dieser Aufschrift : An Herrn , HerrnHadert, gegenwärtig m Elsaß« Zadern -57 Diese Briefe waren in einer ge-hetmnißvollen , aber doch dabey so ungekünstelten und natürlichen Schreibart abge«saßet, daß man, bey Lesung derselben, harre glauben sollen, sie kämen von Privatper-fönen, die einander von ihren Angelegenheiten Nachricht gäben; die Personen wäre»darinnen mit andern Namen angezeigt lind man mußte den Schlüßel dazu haben, umden wahren Verstand davon einzusehen.
Die Sache wurde so heimlich getrieben, daß der Herr von Lüynes niemals ei-ne Nachricht davon hatte; inbeßen war sie doch öfter, als einmal, auf dem Punkte,entdeckt zu werden.
Bey der zweyten Reise, die Vincenzlo nach Metz that, wurde er zuTroyesangehalten ; er überbrachte dem Herzoge von Epcrnon Briefe von der KöniginMutter, und er hatte die Vorsicht gebraucht, sie in das Untcrfutter seines Kleideseinzunehen. Nachdem man ihn ausgesucht hatte, so fieng man an , dieses Unkenut-ter an verschiedenen Orten aufzutrennen , aber gerade au dem nicht, wo der Briefwar. Vincrnzio, ohne aus seiner Faßung zu kommen, behauptete beständig mit ei-nem unerschrockenen Wesen, daß er seinen Weg nach Tcutschland nähme, und ausdem Königrcich gehen wollte. Man gab ihm sein Kleid wieder und ließ ihn seineReise fortsetzen.
Ein andersmal wollte Ruccelai an den Grafen von Bresne, der zu Bloiswar, ein langes Schreiben abschicken und gab solches einem Page, Namens de Lor-me, nebst Anbef-Hlung einer großen Verschwiegenheit und Heimlichkeit 25?. Alsdieser Page zu Paris angelanget war, so kam er auf die Gedanken, sein Packet zudem Herrn von Lüynes zu tragen, in der Hofnung , eine große Belohnung von ihmzu erhalten. Er kam oft vor seine Thür, ohne daß er mit ihm sprechen konnte. Ei-ner von den Leuten des Herrn dü Bmßon Parlementsrarhes, der das Geheim-niß der Königin Mutter wußte, traf ihn von ungefähr auf der Gaße an, und mel-dete solches seinem Öerrn, welcher, da er sahe, daß dieser Page nicht zu ihm gekom-men , die Verrärherey muthmaßete Er forschte so genau nach, daß er endlich er-fuhr, in welchem Hause er sich aufhielte; alsdann ließ er ihm sein Packet, im Namendes Herrn von Lüynes, dreuste abfordern Und ihm zugleich fünfhundert Thaler geben.Auf solche Art brachte er es aus seinen Händen und »verschickte es dem Herrn vonBresne.
Obgleich der Herr von Lüynes von dem, was mit so vieler Heimlichkeit zumVortheil der Königin Mutter getrieben wurde, keine Nachricht hatte, so war erdoch dem ungeachtet in großer Unruhe. Er wußte überhaupkg, daß diese Fürstin ihre
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2 ss Der Vctfaßer der Geschichte der Mut«ter und des Sohns sagt, daß dieser Parlements-rath be Dilkiers hieße, urid nimmt für- gewißan, baß dieser Page selbst ihm sem Vorhabenentdeckte, vyne zu wißca , daß er es mit der
Partey der Königin Mutter hielte j Er fügthinzu, daß dieser Rath ihn davon abwendigMachte u»v ihm , jur Schabloßhalküng für dieMoste Belohnung,' hundert Thaler gab r Ahlem -man hat das Zeugniß des Marquis vonFoutenai Mareuil und des Derfaßers der Le-bensbeschreibung ves Herzogs t>sn Epernsn,weicher sein Eccretar war, für glaubwürdi-ger gehalten. N. A.
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