Band 
Zwölfter Theil. Vom Jahre 1610-1630.
Entstehung
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Geschichte von Frankreich

Man gab zu gleicher Zeit ein anderes Edict heraus, um das Murren der Pro-l6l8- testanten zu stillen, und man nennet« solches das Ersetzunqeedict. Es enthielte, daßman, nach Berechnung der Einkünfte von den Kirchengütern in Bear», gefunden,daß sie sich jährlich auf acht und siebenzigkausend Livres beliefen; und daß Se. MajestätBefehl gäbe, daß jährlich eine gleiche Summe von Dero Kammcrgürern den Prote-stanken sollte ausgezahlet werden, um ihnen dasjenige zu ersetzen, was sie von denKirchengütern zogen, und um zu dem nämlichen Gebrauche zu dienen. Dieses Edictwurde den vterdren December 1617. ^ dem Parlement zu Bourdeaux und den sechstenin dem von Toulouse cinregistrirt. Allein die Protestanten in Bearn gehorchten keines,Wegs diesen Edieren, sondern widersetzten sich vielmehr offenbar ihrer Vollziehung.Sie hielten, ungeachtet des ausdrücklichen Verbots des Königes, Versammlungenund schienen sich zur Empörung bereit zu machen. Der König schickte einen Commis-fär nach Bearn, der allda übel empfangen wurde und Gefahr lief, von dem Pöbeltodgeschlagen zu werden.

Den neun und zwanzigsten Iunius Z6i8- that das Obergericht zu Pau einenAuöiprrrch, kraft deßcn es eigenmächtig befahl, daß die Vollziehung der Edicte sollteaufgeschoben werden.

Es war ungefähr fünfzig Jahre, daß die Protestanten in Bearn sich in den Be-fitz der Kirchengüter gesetzt hatten. Sie wollten behaupten, daß eine so lauge Zeitein Verjährungsrecht ausmachte, kraft deßrn alle Ansprüche der vorigen Besitzer un-gültig wären. Man antwortete ihnen, daß ein so neuerlicher Besitz kein Verjahrungs,recht ausmachen könnte, wiver einen so alten Besitz, als derjenige der Kirche, welchediese Güter seit verschiedenen Jahrhunderten innen hatte, als die Protestanten kamenund ihr solche mit Gewalt der Waffen wegnahmen. Es war vergebens, daß man ih-nen vorstellte, daß sie, vermög des Ecfttzungsedicts, jederzeit die nämlichen Einkünf.ten haben würden, um die Einrichtungen, welche die Königin Johanna von Albret,zmn Vortheil ihrer Religion gemacht hatte, zu erhalten. Sie antworteten, daß dieseEinkünfte, welche auf die königlichen Kammerguter angewiesen wären, allezeit vondem Willen des Hofs abhängen würden, der sie ihnen nehmen könnte, wenn es ihmgut dünkte; da hingegen die Königin Johanna ihnen beständige und sichere Quellen !h,rer Einkünfte gegeben hätte, welche sie erhalten wollten. Ihre Widerfttzung war sohartnäckig, daß die Vollziehung der Ediere bis zu Ende des Jahrs 1620. ausgesetztblieb.

Tod des Cardi- Der Cardinal dü Perron, der sich, durch seine Schriften wider die Lehre deruqis du Perron. Protestanten, berühmt gemacht, warben fünften September 1618- in einem Altervon ein und sechzig Jahren , neun Monaten, und cilf Tagen, gestorben. Er hießJacob Davy : Den Namen dü Perron hatte er von einem kleinen Landgut, welchesseine Familie in Niedernormrndie besäße. Seine Eltern hakten die protestantische Re-ligion angenonunen und sich nach Genf begebe», rmchgehends aber in dem CantonÄern nkedergelaßen. Allda wurde er den fünften November iss6. gebohren.Sein Vater nahm die Mühe auf sich, ihm die lateinische Sprache und die nrathemati-schen Wißenschaften beyzubringen. Die griechische und hebräische Sprache lernete erfür sich allein. Er war noch jung, als er nach Frankreich zurückkam,, allwo er ka-tholisch wurde. Philipp des Porres, Abt von Tiron, brachte ihn an den Hof tzein,richs l l l. Er wurde allda als ein Wunder des Verstandes und der Gelehrsamkeit be-trachtet. Er erhielt die Stelle eines königlichen Vorlesers, nebst einem Iahrgeld vonzwöifhundttt Thalern. Nach dem Tode Heinrichs III. wurde er Heinrich dem l^>